Suche die Stille (Teil 3) Im Sommer 2018

Dieser Augenblick schenkt mir die Freiheit, meine Sinne wahrzunehmen. Riechen kann ich leider nichts, dazu bin ich noch zu sehr verschnupft. Hatte die Nase – im Vorfeld meines Urlaubs – wohl gestrichen voll. Aber der Augenblick schenkt mir andere Freiheiten. Die Freiheit zu sehen, soweit mein Auge reicht. Zu hören, wie der spärliche Wind die Blätter sanft bewegt. Zu fühlen, wie ich mich langsam in der Ruhe des Augenblicks einrichten kann. Für diesen Moment angekommen bin. Zumindest bis der nächste Griff zum Taschentuch, oder der nächste Hustenreiz, meine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Aber bis dahin, für diesen einen Augenblick, fühle ich mich frei.

Es geht immer nur um diesen einen Augenblick. Es geht nie um mehr. Es geht nie um gestern oder morgen. Gestern ist vorbei. Ja, selbst die letzte Sekunde ist vorbei. Morgen ist nur ein Versprechen. Ja, selbst die nächste Sekunde ist nur ein Versprechen. Oder die Absicht des Universums, ein paar Sekunden an die Milliarden Jahre dranzuhängen. Beides kann ich nicht (Zukunft) oder nicht mehr (Vergangenheit) beeinflussen.

Wir haben keine Wahl und keine Kontrolle. Es gibt nur das „Jetzt und Hier“, diesen einen Augenblick. Immer. Und überall. Diese eine Sekunde Stille. 

Wir können uns diesen Augenblick kaputt denken, kaputt reden, kaputt wünschen. Aber wir können ihm nicht entkommen. Nie und nimmer. Dieser eine kleine Augenblick ist alles. Ist unser Leben. Unser Lieben. Unser Fluchen. Unser Verdammen. Unser Hassen. Unser Hoffen. Unser Zweifeln. Unsere Verzagtheit. Unser Mut. Unsere Verbitterung. Unsere Dankbarkeit. Unsere Freude. Unser Lachen. Unser Unglück. Unser Glück.

Wir alle entscheiden darüber, was dieser eine Moment, diese eine Sekunde, für uns bedeutet. Und – insofern – haben wir doch einen Hebel für diesen Moment der Stille in unserer Hand.

Wenn wir bereit sind, uns der Stille, dem inneren Frieden, für diesen einen Moment zu öffnen, öffnen wir für diesen einen Augenblick die Pforten zum inneren Paradies. Zum Raum unserer Seele. Zum Raum unseres Herzens. 

In dieser einen Sekunde kann mich selbst mein Husten nicht mehr irritieren.

Den Ort der inneren und äußeren Ruhe, das „Kloster ohne Mauern“ findest Du unter www.silentstay.com (Bruce und Ruth Davis). 

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

Verfasst am 01.11.2018 | Quelle dr-rupp.com