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Weihnachtsbrief 2017 Besinnung

Drucken Verfasst am 15.12.2017

Für meinen ersten Weihnachtsbrief in diesem Blog habe ich das Thema „Besinnung“ gewählt. Besser gesagt: Es war auf einmal „da“, ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

In diesem Wort ist der „Sinn“, sind die „Sinne“ enthalten. Wünschen wir uns nicht auch „besinnliche Weihnachten“

Der Weg in die Besinnung ist gar nicht so weit. Die Sehnsucht nach Stille, nach innerem Frieden, ist uns mit auf unseren Lebensweg gegeben. Kurt Tucholsky, der Schriftsteller, Journalist und Kritiker (1890-1935) schrieb: „Man muss aus der Stille kommen, um etwas Gedeihliches zu schaffen. Nur in der Stille wächst dergleichen.“

Alles Große geht durch die Stille. Im Zeitalter der uns überflutenden sozialen Medien, von Facebook, Twitter, Instagram, im Zeitalter ständiger Erreichbarkeit sind wir „besinnungslos“ von Lärm umgeben. Das lässt uns unruhig und hektisch werden. 

Unsere Städte sind dauerhafte Lärmquellen geworden – und machen uns dadurch krank! Und vor lauter Neon-Leuchtmitteln bleibt uns das Wunder des Sternenhimmels verborgen. Auch unsere Schmückerei im Advent ist mehr geworden. Früher gab es einen Weihnachtsbaum mit Kerzen und Lametta, die eine oder andere Kugel zur Zierde. Das machte glücklich und reichte uns. 

Irgendwann hingen die ersten Strohsterne im Fenster, später die ersten Lichterketten. Dann wurde im Vorgarten der erste Busch illuminiert, und die Event-Fans fingen an, aufblasbare Weihnachtsmann-Attrappen an die Hauswände zu nageln. Mit Glühbirnen wie auf einem Rummelplatz.

Kurze Zeit später entbrannte eine Art Wettbewerb mit einem kompletten Rentierschlitten auf dem Dach und einer Lichtinstallation, die in Intervallen „Happy Christmas“ aufleuchten ließ. Fehlt jetzt nur noch die ganze Rentierherde mit blinkenden Augen im Garten, die Tag und Nacht Weihnachtslieder blökt. Weniger wäre mehr.

Was ist aus der Stille, der Konzentration auf das Wesentliche und Einzigartige geworden? Stille und Besinnung sind nichts Alltägliches mehr. Stille ist nicht mehr Wert an sich, sie ist zum Luxus geworden, den man sich gönnt, um sich etwas Gutes zu tun. 

Gerade an den Festtagen können wir unsere Routine durch achtsames Innehalten unterbrechen. Wir können unseren Atem spüren, ein paar tiefe Atemzüge machen und darauf achten, wie die Luft durch die Nase fließt, die Lunge füllt, den Körper wieder verlässt. Wir können ein paar Minuten in die Stille gehen – und wir können uns Zeit für Dankbarkeit nehmen. Uns bewusst werden, wofür wir in unserem Leben dankbar sind. Ohne Dankbarkeit gibt es keine Versöhnung mit uns selbst und den anderen. Und ohne Versöhnung gibt es keine Weisheit – und keine Weihnacht!

Ein erfülltes Leben setzt also Auszeiten und Ruhephasen voraus. Einen harmonischen Rhythmus zwischen außen und innen, zwischen laut und leise, piano und forte. 

Wir feiern Weihnachten. Geben wir der Stille Raum. Und stellen wir uns die Frage nach der Richtung unseres Lebensweges. Eine Antwort können uns die christlichen Mystiker geben, die die Frage stellten: Wie lang ist der Weg des Lebens? – Ihre Antwort darauf ist so einfach wie tiefgründig: „Der Weg des Lebens ist 30 Zentimeter lang. Er reicht vom Kopf ins Herz.“ Diesen Weg zu gehen, ist unsere Aufgabe. Öffnen wir zu Weihnachten unser Herz und wagen wir mehr Liebe. 

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp 

Ver-rückt zu sein: Ist das nicht herrlich?

Drucken Verfasst am 01.12.2017

Was heißt das eigentlich: „Außer Rand und Band?“ Jeder hat schon einmal Aussagen von Menschen gehört, die – wie vom Blitz getroffen – aus Freude, aus Überraschung oder aus Betroffenheit ausrufen:

„Ich bin völlig aus dem Häuschen!“

„Ich bin fassungslos!“

Man muss sich diese Worte einmal durch Geist und Seele gehen lassen:

„Jetzt bin ich aus dem Häuschen!“ heißt doch: Ich bin total aus dem Rahmen des Üblichen gefallen, habe meinen Halt verloren, mein Koordinatensystem stimmt nicht mehr... Ist im wahrsten Sinne des Wortes „ver-rückt“.

Alles, was mich bisher gehalten hat, meine Maßstäbe, Normen, mein gesunder Menschenverstand, meine Sichtweise der Welt, ist ver-rückt, zur Seite gerückt, nicht mehr an dem Platz, an dem es immer war.

„Ich bin fassungslos!“ heißt so viel wie: Ich habe meine Fassung verloren, die Birne ist nicht mehr in der Verschraubung, sie hängt freischwebend im Raume, alles, was mir bisher Stabilität gab, ist weg. Der Boden unter den Füßen fehlt.

Aus dem Häuschen sein, aus dem Rahmen fallen, aus der Reihe tanzen, völlig losgelöst sein ... sind ausgesprochen nützliche Begriffe, für die ich der deutschen Sprache sehr dankbar bin. Da haben kluge Köpfe passende Worte für ein Lebensgefühl gefunden. Aber: Dürfen wir „außer Rand und Band“ sein? Dürfen wir „aus dem Rahmen fallen“?

Wir dürfen es nicht nur, wir sollten es! Wer immer im selben Rahmen bleibt, verwickelt sich. Wer sich auf eine Sache versteift, versteift an Körper, Geist und Seele. 

Stell Dir das Leben vor wie einen Weg mit Leitplanken: Wer aus Angst, vom Weg abzukommen, immer in der Mitte bleibt, der kann sich selbst nicht erfahren. Wer mit Scheuklappen durchs Leben geht, bleibt eng und starr und furchtsam. Er bleibt im wahrsten Sinne des Wortes „mittel-mäßig“. Die Mitte muss sich der Mensch erarbeiten. Dabei sollte er schon mal vom Weg abkommen, um nicht auf der Strecke zu bleiben!

Wer keine Angst vor den Grenzen, vor den Leitplanken, vor den bisherigen Rändern seines Lebens hat ... wer schon mal (legal!) über Grenzen geht ...wer Neuland betritt ... der lebt intensiver. Nur wer Ungewohntes wagt, ent-wickelt sich.

Wer neugierig auf die Polaritäten seines Lebens ist, sie erfährt und integriert, der kann in und aus seiner Mitte leben. Der genießt und akzeptiert jeden Zentimeter seines Lebens-Weges. Zur einen und zur anderen Seite, im Rückspiegel und nach vorn. Der ist offen für Wandlungen. Auf dem Wege eines gelungenen und reichen Lebens.

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp 

Aus: Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ – Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Aufl. 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80 €)

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Alles was war, ist genau so gewesen

Drucken Verfasst am 01.11.2017

An anderer Stelle auf dieser Website findet Ihr Worte der Weisheit von meinem Mentor Dr. Wolf Büntig, Gründer und Leiter der ZIST Akademie für Psychotherapie. In der „ZIST POST“ von September 2017 berührte mich folgender Text:

„Wir können die Dinge nicht immer ändern, aber wir können unsere Haltung gegenüber den Dingen ändern“ soll der antike Philosoph Epiktet (aus der Philosophenschule der Stoa, 50-138 n.Chr.) zu seinen Schülern gesagt haben. Das leuchtet ein, denn weil wir beispielsweise mit unserer Kindheit hadern, lässt sie sich – sie ist Vergangenheit – dennoch nicht ändern. Und eine andere Haltung zu entwickeln gegenüber schwierigen, belastenden Ereignissen in unserer Kindheit oder gegenüber schmerzhaften Schicksalsschlägen oder gegenüber dem Verlust eines geliebten Menschen... bedarf einer tiefen Akzeptanz der Realität. Diese tiefe Akzeptanz erst macht Veränderung möglich, kann dazu beitragen, dass wir uns selbst aus immer wiederkehrenden, schmerzenden, uns selbst bestrafenden Mustern entlassen, befreien und heilen. Wir ändern unsere Haltung. Das ist so einfach, wie es klingt und dennoch schwierig, denn wer will schon akzeptieren, was er nie so erleben wollte. Unsere individuellen Abwehrmechanismen stehen dem entgegen.

Erst wenn wir unsere eigenen Abwehrmechanismen kennen lernen und so der Akzeptanz unseres Lebens, so wie es war und wie es ist, ein wenig näher kommen, entsteht Raum für das Leben unseres individuellen Potenzials. (Soweit der Kommentar von ZIST.)

Hinschauen hilft. Unsere Vergangenheit lehrt uns so vieles. Um es mit den Worten des schon lange verstorbenen Kardinal Döpfner auszudrücken: „Erst wenn wir uns dem Dunkel stellen, wird uns der Schritt ins Licht geschenkt.“ Wenn wir heilen und unser Potenzial endlich ausschöpfen wollen, kann uns der Gedanke von Wolf Büntig helfen: „Alles was war, ist genau so gewesen.“

In diesem Satz ruht ein tiefes Einverständnis mit all dem, was war. Denn nichts können wir an den Dingen ändern. Wir können aber unsere Haltung gegenüber den Dingen verändern. 

In herzlicher Verbundenheit 

Georg Rupp

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Das Rote-Rosen-Syndrom

Drucken Verfasst am 01.10.2017

Es gibt eine ganze Zahl von Menschen, die glauben, das Leben müsse ihnen Tag für Tag etwas Besonderes bieten, sie seien die Auserwählten. Ich nenne es das „Rote-Rosen-Syndrom“. Das ist keine wissenschaftliche Bezeichnung – die medizinische Beschreibung lautet: „Narzisstische Persönlichkeitsstörung“, und sie hat Krankheitswert.

Diese ungesunde Haltung hat mit einem Auswuchs der Liebe zu tun, nämlich mit der sich selbst überhöhenden, ich-bezogenen, narzisstischen Eigenliebe. Narzissten stehen im Spiegelsaal und sehen von allen Seiten nur sich selbst. Der Weg zur wirklichen Selbstliebe setzt jedoch den Abschied vom Narzissmus voraus. 

Der Kölner Objektkünstler Victor Bonato gestaltete ein Kunstwerk, auf dessen Marmorsockel ein großer, hoher Spiegel angebracht war. Nur wurde der Spiegel „falsch herum“ aufgehangen: Die Spiegelseite zur Rückwand, die blinde Rückseite nach vorne, zum Betrachter hin. Dieser Spiegel lässt im wahrsten Sinne des Wortes kein Spiegelbild zu. Nichts und niemand kann sich in ihm spiegeln. Bonato nennt das Werk: „Abschied des Narziss“

Für mich soll’s rote Rosen regnen? Die Weisheit liegt in der Beschränkung. Vielleicht sollten Narzissten sich auch einmal die Kehrseite der Medaille zu Herzen nehmen, nämlich: 

„LIEBE DEINEN NÄCHSTEN... wie Dich selbst.“

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp 

Aus: Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ – Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Aufl. 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80 €)

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Die Geschichte von den Stränden… oder: Mut zur Klarheit Teil 2

Drucken Verfasst am 15.09.2017

Stell Dir vor: Ein kleines Boot liegt fest vertäut am eigenen Strand. Aber wie kannst Du damit in See stechen? Wie vorankommen? Und vor allem: Wohin?

Die Idee des Klienten ist häufig so: Es möge doch bitte der Therapeut, der Trainer, der Ratgeber, der väterliche Freund dafür sorgen, dass sich hier etwas Entscheidendes ändert. Fast kann ich den inneren Dialog meines Gegenübers hören, der sagt:

„Lieber Therapeut, Du kennst Dich doch aus in der Welt und auf hoher See. Kannst Du nicht über das Meer zu einer Insel, einem Strand segeln, der viel schöner ist als der meine? Weißt Du, ich habe an meinem alten Strand zwar auch ein Boot liegen, aber ich traue mir den Weg über das Meer nicht zu. 

Kannst Du mir nicht einen wunderschönen Strand aussuchen für meine neue, angstfreie, selbstbewusste und allseits beliebte Persönlichkeit? Am liebsten wäre mir, Du würdest – wie von Zauberhand – den feinen, neuen Strand über das weite Meer zu meinen alten Ufer treiben. Und dann würde ich das neue Ufer so richtig begehen, erfühlen, durchwandern, erproben…

Und wenn es dann wirklich wesentlich schöner ist als der alte Strand – ja, dann lasse ich das Tau vom alten Ufer los und bin glücklich über das Geschenk einer neu gewonnenen Persönlichkeit…“

Jedoch – wertvoller ist die Wirklichkeit…

Der Therapeut, der Trainer, der väterliche Freund – sie können Dir Navigationsinstrumente zur Verfügung stellen. Aber Dich aufmachen und rudern, das musst Du selbst.

Ohne Eigenverantwortung gibt es keinen Passagierschein für den neuen Strand. Die Selbstverantwortung beim Fällen von Entscheidungen gibt uns den Mut zum Aufbruch. Zum Auf-Brechen von alten verbrauchten Strukturen, zum Loslassen, zum Weitergehen… zur endgültigen Hinwendung auf das Neue.

Das Neue macht Angst – daran ist es leicht zu erkennen. Aber nur, wenn Du Dich dem Neuen öffnest, dann hast Du auch die Chance, neue Wege zu finden, auf denen Freude, Erfüllung und Glück möglich werden. 

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

Aus: Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ – Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Aufl. 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80 €)

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Die Geschichte von den Stränden… oder: Mut zur Klarheit Teil 1

Drucken Verfasst am 01.09.2017

Die Komfortzone, die Bequemlichkeitsfalle, besitzt große Macht. Sich nicht zu verändern, ist ja in aller Regel bequemer und weniger anstrengend. Auf jeden Fall aber sicherer.

Wenn man keine Entscheidungen trifft, geht die Fehlerquote gegen Null. Meint man. Glaubt man. Hofft man. Doch gerade Menschen, die sich nicht bewusst entscheiden, fühlen sich oft hin- und hergerissen. 

Wer kann denn wissen, ob eine Persönlichkeitsveränderung wirklich Wachstum bedeutet oder Abbau nach sich zieht? Ob sie mich bereichert und wirklich freier macht? Oder scheitern lässt?

Viele Menschen haben ihre Leichen im Keller. Aber der Keller ist vertraut. Wer kann sich sicher sein, dass in einem neuen Keller nicht noch mehr Unrat liegt? So habe ich ja wenigstens den Spatz in der Hand...

Deshalb handeln eine ganze Reihe von Menschen nach der Devise: Lehre mich schwimmen, aber mach mich bitte nicht nass!

In psychotherapeutischen Sitzungen spreche ich häufig von folgendem Bild: Stell Dir vor, die Persönlichkeit des Menschen wäre wie ein großer, langer Sandstrand. Dieser Strand hat sich allerdings im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verändert, verfärbt, hat sich vermengt mit Schlick und Teerflecken, mit Algen und Dreck.

Hier lässt sich nicht mehr genussvoll in der Sonne aalen, kein feiner Sand rieselt durch die Finger, das Barfußlaufen macht kaum noch Spaß... Dieser Strand ist also keine unberührte, vollkommene Daseinsform. Kein Karibik-Strand, keine Blaue Lagune...

So möchte man es nicht mehr haben. So möchte man nicht mehr leben.

Wie geht es weiter? Teil 2 folgt

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp 

Aus: Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ – Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Aufl. 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80 €)

 

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Mehr Liebe wagen

Drucken Verfasst am 01.08.2017

Es waren die Mystiker, die die Frage stellten: Wie lang ist der Weg des Lebens?

Solange mir das Leben geschenkt wird?
Von der Geburt bis zum Tod?
Vom Urknall bis zum Ende der Zeit?
Von Augenblick zu Augenblick? 

Ihre Antwort darauf ist so einfach wie tiefgründig:

„Der Weg des Lebens ist 30 Zentimeter lang. –
Er reicht vom Kopf ins Herz.“

Lassen wir unser Herz aufgehen und wagen wir mehr Liebe. 

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

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Ich bin Liebe

Drucken Verfasst am 15.07.2017

Auch wenn es Dir möglicherweise schwer fällt oder Du von den folgenden Worten nicht überzeugt bist – entscheide Dich für den Versuch.

Die Aufgabe ist ganz einfach: Sprich den folgenden Satz innerlich und still einige Minuten lang – wie ein Mantra. Der Satz lautet:

„Ich bin Liebe. Alles umfassende Liebe.“

Lass es einfach geschehen.

Was kommt in Deinem Herzen an?

Fühlst Du etwas in Deinem Herzraum, im Sternum?

Verändert sich etwas während der Dauer der Übung?

Du bist einzigartig. Und Du bist alles umfassende Liebe.

Sei gut zu Dir – und öffne Deinen großen inneren Raum. Entscheide Dich dann, an diesem Punkt Deines Lebens, aus tiefstem Herzen und mit der ganzen Zustimmung Deiner Seele für Deinen eigenen Weg. Spiele die Melodie Deines eigenen Lebens.

In herzlicher Verbundenheit 

Georg Rupp

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Finde Deine innere Mitte Teil 4

Drucken Verfasst am 01.07.2017

Diese Erfahrung reiner und tiefer Lebensfreude führt zur siebten und letzten Station: Zum Licht. Doch erst, wenn wir uns auch dem Dunklen unserer Seele gestellt haben, werden wir ins Helle, Neue, Lichte gelangen. 

Licht wird nicht am Anfang geschenkt, es setzt Bewährung und Reifung voraus. Du musst die Siege Deines Lebens ohne Hochmut feiern können. Du musst Umwege und Verwirrung annehmen lernen, um frei zu werden für das Licht. Liebe alle Höhen und Tiefen, die Dunkelheit und das Licht. Sie vereinen den Helden und Weisen in Dir.

Die Reise zu Deiner inneren Mitte findet die Erfüllung in der Harmonie.

Aber Vorsicht: Sie hat nichts zu tun mit Harmoniesucht. Denn wer Harmonie sucht, um Streit und Diskussionen zu vermeiden, lebt nicht in Harmonie, sondern in Angst vor Disharmonie. Harmonie entwickelt sich von innen nach außen. Sie ist die Balance zwischen allen Teilen in Dir – und zwischen Himmel und Erde. 

Wer alle 7 Haltungen und Werte erfahren – und integriert hat, bereichert sein Leben grundlegend und dauerhaft. Denn dieser Reichtum ist nicht von äußeren Umständen, weder von Aktienkursen noch von öffentlichen Huldigungen beeinflussbar. Jeder trägt den inneren Reichtum in sich selbst. Es ist nicht länger der Mangel, der uns durch das Leben treibt. Jeder kann aus sich selber schöpfen. Dies ist ein Geschenk des Lebens an jeden von uns.

„Am wichtigsten ist innerer Friede.“ (Dalai Lama)

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

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Finde Deine innere Mitte Teil 3

Drucken Verfasst am 15.06.2017

Wenn der Mensch seine Angst überwunden und seinen Mut entdeckt hat, kann er ihn weitergeben und dankbar sein. Er kann sich mitteilen. Sein Wissen und seine Erkenntnis mit anderen teilen. Oder er kann abdriften ins „Ich bin der Größte“, „Ich stehe über allem“. Das ist Hochmut.

Dankbarkeit, die fünfte Station, heißt: sich einordnen in die Struktur des Lebens. Wer nur den Mut lebt, die Dankbarkeit und Demut aber nicht kennt, kann tief fallen. Denn Mut ist die Höhe, der Aufstieg zu den „Göttern“… die Demut aber ist die Erde, die Dich auffängt im Falle des Scheiterns. Sie gibt Dir Bodenhaftung, wenn Du Dich für den Aufstieg bedanken willst. Wer aber nur den Mut kennt und nicht die Demut, steht mit beiden Beinen fest in den Wolken.

Der Absturz ist tief und hart. Wer den Mut mit Demut paart, besitzt hingegen die „Fallschutzvorrichtung“ in sich selbst.

Im sechsten Schlüssel, der Freude, geht mir buchstäblich das Herz auf. Wie oft sagst auch Du: „Da ist mir das Herz aufgegangen!?“

Wenn Du kleine Kinder spielen siehst, dann geht Dir das Herz auf. Wenn Du die Sonne über dem Meer aufgehen siehst, geht Dir das Herz auf. Wenn Du Dich in den Armen Deines Partners geborgen fühlst, geht Dir das Herz auf. Wenn Du das gütige Lächeln eines alten Menschen siehst, geht Dir das Herz auf.

Ich wünsche Dir ein Leben mit unzähligen „Da geht mir das Herz auf“-Gelegenheiten.

Denn nur die tiefe Freude in Dir nährt sich von selbst. Darum: Dehne sie aus. Verlängere sie. Vergrößere sie. Vertiefe sie. Gib Dir Zeit und Raum für Deine innere Freude – und koste sie aus. Sie macht Dich unabhängig und frei. Deshalb: Gib Deiner Freude Wurzeln! Wenn Du Deiner Freude Wurzeln gibst, kannst Du ihr Flügel geben.

Wird fortgesetzt…

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

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Finde Deine innere Mitte Teil 2

Drucken Verfasst am 01.06.2017

Die Liebe zu uns selbst und unserem Handeln ist Voraussetzung dafür, dass auch das Selbstvertrauen und ein neues Vertrauen ins Leben wächst – die dritte Station auf Deinem Weg zur inneren Mitte.

Vertrauen hat ebenso wie Klarheit mit „Loslassen“ zu tun. Der Unterschied: Während bei der „Klarheit“ das Loslassen der Vergangenheit im Vordergrund steht, bedeutet das Loslassen bei „Vertrauen“ ein Sich-öffnen für die Zukunft.

Um uns von anhaftenden Zwängen und Ängsten zu befreien, benötigen wir aber einen weiteren Schlüssel, die vierte Station, um unser Herz zu öffnen: den Mut.

In alten Sagen, im Heldenepos, ist der derjenige der Mutige, der in sich seine Zweifel besiegt und handelt. Der Held wagt sich in Situationen hinein, in denen es keine Sicherheiten gibt, die noch niemand vor ihm ausprobiert hat.

Oftmals ist der größte Gegner – man selbst. Der größte Sieg ist deshalb oft der Sieg über die eigene Person, die eigenen Zweifel, die eigene Bequemlichkeit, die eigene Komfortzone. „Du kannst die Wellen nicht anhalten, aber Du kannst lernen, zu surfen.“ (Joseph Goldstein).

Zuversicht wächst mit dem Beginnen.

Der wahre Mut im Leben ist allerdings nicht der Mut der Tollkühnheit, der Mut des Abenteurers, des Drachenkämpfers – es ist der Mut, Deine Gegensätze zu leben. 

Wird fortgesetzt...

In herzlicher Verbundenheit 

Georg Rupp

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Finde Deine innere Mitte Teil 1

Drucken Verfasst am 14.05.2017

Die Reise zu Deiner inneren Mitte führt über 7 Stationen, durch 7 Haltungen und Werte. Sehnen wir uns nicht alle nach tiefem inneren Frieden? 

Die erste Station für Deinen Aufbruch lautet: Schaffe Klarheit in Deinem Leben!

Tag für Tag treffen wir hunderte Entscheidungen. Die meisten fallen uns nicht einmal auf. Sie sind Teil unserer Gewohnheit – und die macht keine Angst.

In vielen Parabeln, Geschichten und Mythen ist von Entscheidungen die Rede. Entscheidungen fällen heißt, zu scheiden. Scheiden von anderen Möglichkeiten, scheiden von manchen Träumen und Visionen, scheiden auch von Hintertüren, die wir uns gerne offen lassen.

Das Leben hat Dir keinen sichtbaren Autopiloten zur Verfügung gestellt. Nirgendwo kannst Du ablesen, wo es für Dich entlang geht. Es stehen keine Wegweiser an den Gabelungen Deines Lebens. Darum: Lass Dein Herz entscheiden. Lass Dich von Deiner inneren Weisheit leiten. Wenn Du Dich aber ehrlich entschieden hast – dann dreh Dich nicht mehr um. 

Ist das Ziel für den Neubeginn klar und sind die ersten Entscheidungen getroffen, dann lebe die Klarheit mit ganzem Herzen. Konzentriere Dich auf die Liebe. Dies ist der zweite Schlüssel. „Die Liebe ist das Flügelpaar, das Gott der Seele gegeben hat, um zu ihm aufzusteigen.“ (Michelangelo Buonarroti, 1475-1564, italienischer Bildhauer, Maler, Architekt und Dichter).

Eines ist Tatsache: Wenn Du in der Liebe bist, kannst Du nie gleichzeitig in der Angst sein. Liebe ist immer angstfrei. Liebe ist beseelt. Wahre Liebe ist immer bedingungslos. Liebe ist.

„Reduziere Deine Möglichkeiten“ bedeutet in diesem Zusammenhang auch: Reduziere Dich immer mehr auf das, was Dich trägt und Dich in der Verbindung hält: die Liebe

Wird fortgesetzt…

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp 

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Reduziere Deine Möglichkeiten – entscheide Dich!

Drucken Verfasst am 01.05.2017

 Nichts ist unmöglich. Also alles erreichbar. Überfluss und scheinbar endlose Wahlmöglichkeiten im Reich der Freiheit. Alles hier und alles jetzt – Wunscherfüllung auf Bestellung. Und dennoch – wir kriegen nie genug.

Da stimmt doch was nicht.

Die Multioptionsgesellschaft (alles steht zur Verfügung) macht uns leider nicht glücklicher. Ganz im Gegenteil. Wenn wir alle Möglichkeiten haben, wächst in vielen von uns die Angst, nicht alle ausschöpfen zu können, ja die wesentlichen Angebote des Lebens zu verpassen.

„Das kann doch nicht alles gewesen sein!“ ist ein Auslöser für Lebensumbrüche. Sie können auf direktem Wege in die psychologische Zwickmühle der Nicht-Entscheidung oder geradewegs ins Scheitern führen. So wird aus den viel zitierten Glücksformeln oft eine „Anleitung zum Unglücklichsein“.

Der Philosoph Richard David Precht beschreibt die Erhöhung der Wahlmöglichkeiten als eine der vielen Ursachen für menschliche Unzufriedenheit. Schon die Rolling Stones wussten: You can’t always get what you want. Heiko Ernst, Psychologe, sieht „so vieles, was zu wollen sich lohnen würde. Wir wollen abnehmen, gesund bleiben, uns verwirklichen, etwas dazulernen, auf hundert Arten glücklich sein: ein Überfluss an Zielen“, die wir sinnvoller Weise reduzieren sollten. 

Die Vielfalt überfordert uns. „Auf der Suche nach der Erfüllung ihrer Sehnsüchte verirren sich immer mehr Menschen“, sagt der Hirnforscher Gerald Hüther. „Sie haben kein Zeitproblem, sondern ein Gewichtungsproblem.“ Sie wissen nicht mehr, was bedeutsam ist.

Wer aber sicher ist, was in seinem Leben zählt, was Sinn und Wert besitzt, der braucht nicht ständig nach Neuem zu gieren.

Wenn die Wahlmöglichkeiten kleiner werden, wird auch die Überforderung kleiner. Reduziere also Deine Möglichkeiten – und Du gewinnst mehr Freiheit und Energie!

Aus: Georg Rupp „Befreiung aus dem Hin & Her des Lebens. Lass dein Herz entscheiden“, Verlag „Die Silberschnur“ 2012, S. 11 f.

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

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Wenn das Herz aufgeht… Wie die Begegnung mit dem Herzraum mein Leben veränderte – Teil 2

Drucken Verfasst am 15.04.2017

Und dann geschah das, was mein Leben mit einem Schlag und in einer einzigen Sekunde veränderte: Es war, als ob dieses Brennen sich öffnete… und mit ihm die Mitte der Brust… und ein warmes, überquellendes Empfinden von Klarheit, von Dankbarkeit und Freude sich über meinen Brustraum ausdehnte. Hier und jetzt entstand ein absolutes Vertrauen zu mir und dem Leben. 

In dieser Sekunde, als sich die Intuition und die Herzensenergie trafen, kam ein einziges Wort, ein einziger Impuls, eine völlig klare und eindeutige Entscheidung in mein Herz – und das war das Wort „Schule“.

Am nächsten Tag ging ich zum Vorsteher der Behörde und kündigte. Einen Tag später meldete ich mich wieder bei der Schule an, um das Abitur abzulegen.

Die Depressionen? Nicht mehr vorhanden. Der Knoten war geplatzt, die Blockade aufgelöst. Ich kam mir vor wie der eiserne Heinrich im Märchen vom Froschkönig.

Die wärmende Glut im Brustraum war der Wegweiser.

Ist es nicht ein wunderschönes Geschenk, wenn uns das Herz aufgeht? 

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

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Wenn das Herz aufgeht… Wie die Begegnung mit dem Herzraum mein Leben veränderte – Teil 1

Drucken Verfasst am 01.04.2017

Es war im Frühjahr 1967. Ich war 18 Jahre – und mangels Fleiß und geringem Interesse an den meisten Fächern ein ziemlich schlechter Schüler.

Während meine Klassenkameraden in den Startlöchern zum Abitur standen, ging ich auf Anraten meines Vaters zu einer Behörde. Ich hatte mir das Abitur nicht zugetraut.

Trotzdem fing ich an, im Stillen eine Liste zu erstellen, Plus- und Minuspunkte zu den Alternativen „Behörde“ und „Schule“ zu sammeln. Letzten Endes führten diese Bewertungen nach einer Woche des Hin- und Herüberlegens zu keinem klaren Ergebnis. Mein Kopf war unfähig, eindeutig Position zu beziehen. Ich haderte mit dieser Uneindeutigkeit, diesem Gespaltensein, dieser Zwickmühle: Auf der einen Seite die Angst, im Abitur zu versagen, mangels Begabung oder Fleiß – und andererseits die unattraktive und lähmende Vorstellung, bis zum 65. Lebensjahr zwischen verstaubten Akten mein Leben fristen zu müssen.

Diese Pattsituation, dieser Konflikt des Nicht-entscheiden-Könnens, dieses einengende Gefühl der Unklarheit und inneren Blockade, führte zur ersten depressiven Verstimmung meines Lebens. Ich zog mich nach Dienstende von allem zurück, ging kaum unter Menschen, zweifelte immer mehr an mir selbst und ertappte mich eines Tages sogar bei dem Wunsch, am liebsten noch einmal neu geboren zu werden – dann aber alles ganz anders anzufangen.

Wie also war der Sackgasse zu entrinnen?

Ich wusste mittlerweile: Der Verstand ist unfähig, mir die entscheidende Antwort zu geben. Ich konnte also nur auf mein Gefühl oder auf eine innere Stimme hoffen, von deren Existenz ich mit 18 Jahren aber nicht wirklich überzeugt war.

Die Umstände ermutigten mich zu einem Experiment. Es sollte nach Mitternacht geschehen, zumindest im Zustand einer aufkommenden Müdigkeit. Bis auf eine einzelne Kerze hatte ich das Licht gelöscht… und murmelte in diese bedächtige Stimmung hinein nur die zwei Worte: „Schule?… Behörde?“

Einfach dasitzen, nicht mehr denken, in keiner Erwartungshaltung… so vergingen etliche Minuten, bis ich etwas zu spüren begann. Ich fühlte ein Brennen, etwas Heißes in meinem Bauchraum. Dieses Brennen stieg auf, wie in einer schmalen Röhre – bis in meine Brustgegend hinein.

Der Verstand als außen stehender Beobachter dachte: Das ist ja fast so, als ob Magensäure hochsteigt, nur eben nicht ätzend, sondern heiß, ummantelt, geschützt – bis dieses Brennen in die Mitte meines Brustbeins angestiegen war.

Wird fortgesetzt…

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

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Von den Peanuts lernen

Drucken Verfasst am 01.03.2017

Charlie Brown und Lucy unterhalten sich. Oder besser: Charlie, der ewige Verlierer, doziert über das Charakteristische der Depression. Im Cartoon sieht das so aus:

Er steht vor Lucy mit gesenktem Kopf und erklärt: „Dies ist meine depressive Haltung. Wenn du depressiv bist, macht es ganz viel aus, wie du stehst...“ Im nächsten Bild richtet er sich gerade auf und betont: „Das Schlimmste, was du tun kannst, ist deinen Kopf hochzuhalten, weil du dich dann gleich besser fühlst.“ – „Wenn du wenigstens ein bisschen Spaß an deinem Deprisein haben willst...“, Charlie steht wieder mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern vor Lucy... „musst du so stehen...“

Depression hat viel mit Haltung zu tun. „Depression“ heißt auf Deutsch: Wegdrücken.

Wir drücken unsere Emotionen weg mit Muskelkraft. Wir frieren ein. Schon Kinder lernen, den Hintern zusammenzukneifen, damit die Schläge nicht so wehtun.

Der Depressive schreibt weder die Melodie seines eigenen Lebens, noch findet er heraus, wofür er auf dieser Welt ist. Sein Ballast drückt auf seinen Körper und seine Haltung. („Ballast“ – das ist ein totes Gewicht, weil es nicht von seinem eigenen Leben gefüllt ist. Ein totes Gewicht ist z.B. gefüllt von den Erwartungen der Eltern.)

Depression hat ebenso viel mit Atmung zu tun.

Ein depressiver Mensch hat verlernt, sich Luft zu holen – und sich Luft zu machen.

Atem ist Leben. Ihm aber verschlägt es den Atem. Er nimmt nur noch begrenzt am Leben teil, schneidet sich oft sogar vom Leben ab.

Der Atem des Depressiven stockt im Brustbereich. Er fließt nicht nach unten, durchströmt nicht den Körper. Warum?

Der Mensch, der „wegdrückt“, öffnet seinen Brustkorb nicht. Er zieht seine Schultern nicht nach hinten („Haltung“). Er fällt in sich zusammen, gibt seinem Atem keinen Raum. Sein Atem bleibt oberflächlich und eng. Er lebt unbelebt. Unfrei und uninspiriert. Er nimmt sich nichts vom Leben. (Noch nicht einmal den nötigen Sauerstoff.)

Wer seine Haltung ändert und seinem Atem Raum und Tiefe gibt, hat die Chance auf ein neues Leben.

In herzlicher Verbundenheit 

Georg Rupp

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Der 1. und der 2. Pfeil Teil II

Drucken Verfasst am 01.02.2017

Was kannst Du dafür tun, dass Dich der 1. Pfeil – Deine Vergangenheit – nicht herunterzieht, Dir nicht die Gegenwart, den Augenblick, verdirbt?

Ich hatte erwähnt, dass der 2. Pfeil die Bewertung des 1. Pfeils darstellt. Das bedeutet: Wie denkst Du darüber, was Dir in Deinem Leben widerfahren ist oder Dir vorenthalten wurde?

Die Lösung lautet: Werde zu Deinem eigenen „externen Beobachter“, beobachte Dich von außen. Lerne ab jetzt, Dein Denken mit Abstand zu betrachten.

Du als Persönlichkeit bist mehr als Dein Denken. Ein Teil von Dir denkt, nämlich Dein Gehirn. Dein Gehirn bist aber nicht „Du“. Denn Deine Seele ist nicht Teil Deines Gehirns. Dein Geist – im Sinne eines erweiterten Bewusstseins – ist nicht Teil Deines Gehirns. Deine Intuition, Deine Herzintelligenz, sind nicht Teil Deines Gehirns. Auch Dein Körper ist weit mehr als nur Dein Gehirn. Dein Gehirn denkt. Nicht Du. 

Deshalb lautet der „1. Lehrsatz“:

Du bist nicht Dein Denken!

(Wenn Du in der „Ich-Form“ denkst, dann heißt es: Ich bin nicht mein Denken!)

Hinzu kommt: Dein Gehirn ist ein „Automat“, eine „Maschine“. Es wiederholt und bevorzugt immer das, was Dir Dein Leben gesichert hat. Immer und immer wieder befeuert es die alten „Daten-Autobahnen“ in den neuronalen Netzwerken. Entscheidungsprozesse laufen auf festen Schienen. Deshalb ist es auch so schwer, aus alten Gewohnheiten auszubrechen. Zwar ist das menschliche Gehirn mit Freude lernfähig, aber das bedarf permanenter Übung.

Wenn Du nicht Dein Denken bist, musst Du auch nicht jeden Schrott glauben, den Dein Gehirn sich zusammendenkt. Du kannst Dir auch sagen: „So klein... und denkt schon so viel Mist!“

Also lautet der „2. Lehrsatz“:

Du musst nicht alles glauben, was Dein Gehirn denkt!

(In der „Ich-Form“: Ich muss nicht alles glauben, was mein Gehirn denkt!)

Jetzt bist Du im Zustand des „äußeren, externen Beobachters“, der dem Gehirn beim Denken zuschaut. Schau zu, wie es im Gehirn rattert und feuert... knattert und blitzt. Stell Dir das einfach vor – dann hirnst Du nicht mehr so viel herum.

Wenn Du jetzt noch einen „Schritt zurücktrittst“, befindest Du Dich im Zentrum einer Achtsamkeitsübung. Die geht so: Du nimmst lediglich wahr, ganz wertfrei, das – und was – Dein Gehirn denkt.

Deshalb lautet der „3. Lehrsatz“:

Ah ja... ich nehme wahr, dass mein Gehirn jetzt denkt...“ (beispielsweise: Andere können das besser als ich!) 

Du nimmst es nur wahr – ohne Bewertung, ohne inneren Kommentar, ohne Emotionen.

„Ah ja“...schau lediglich von außen, was Dein Gehirn denkt. Auch das ist eine Übungssache!

Der 2. Pfeil ist Dein Werkzeug, um Dich von Grübelattacken zu befreien.

Abschließend noch ein Hinweis: Wenn bei Dir der Eindruck entsteht, wir wollen die Denkprozesse Deines Gehirns in die Schranken verweisen, ist das nur bedingt richtig. Sie sollen nur nicht – wie bisher – über Deine Persönlichkeit und Dein ganzes Leben bestimmen. 

Unser Gehirn ist eine Errungenschaft der Evolution – und das ist hilfreich und gut. Auf die Balance, auf den Ausgleich kommt es an.

In herzlicher Verbundenheit 

Georg Rupp

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Der 1. und der 2. Pfeil Teil 1

Drucken Verfasst am 15.01.2017

„Menschen verletzen sich durch den 1. und den 2. Pfeil. Aber zu heilen ist nur der 2. Pfeil.“ Dieser Gedanke wird Buddha zugeschrieben.

Um dahinterzukommen, was Buddha damit gemeint haben könnte, schauen wir uns die beiden Pfeile einmal an.

Der 1. Pfeil beschreibt die Tatsache. Das, was in Deinem Leben geschehen ist. Vom Zeitpunkt Deiner Zeugung – bis zur gerade erst vergangenen Sekunde.

Nichts davon ist ungeschehen zu machen. Alle Erfahrungen, die Du durch Dein Denken und Handeln aktiv herbeigeführt hast. Alle Erfahrungen, die Du – besonders in Deiner Kindheit und Jugendzeit – aufgrund der Erziehung Deiner Eltern, der direkt oder indirekt vermittelten Ansichten und Handlungen anderer Menschen, der Werte Deiner Gesellschaft, der Religion, usw. gemacht hast. Machen musstest. Gute wie schlechte Erfahrungen. Das, was Dich vorangebracht hat, und das, was Dir nicht erspart geblieben ist.

Alle traumatischen Geschehnisse gehören dazu, sind Teil Deines Lebens geworden. Ein Beispiel: Wenn Du einen sexuellen Übergriff hast erleiden müssen, kannst Du die Zeit nicht bis zu jenem Tag zurückdrehen und um 23 Uhr nicht durch den Stadtpark gehen. Auch ein mangelndes Urvertrauen, die fehlende Beachtung, eine verpasste Liebe...

Nichts kannst Du am „1. Pfeil“, an den Tatsachen, an den Ereignissen rund um Dein Leben ändern. Ebenso wenig, wie Du Deinem Älterwerden ausweichen kannst.

Da hilft nur eines. Dir innerlich immer wieder zu sagen: „Alles, was war, ist genauso gewesen.“

Was aber ist der „2. Pfeil“?

Ganz einfach: Der 2. Pfeil ist die Bewertung des 1. Pfeils. Was Du darüber denkst, dass Dir dieses oder jenes widerfahren ist. Diese Bewertung liegt in Deiner Hand, oder besser: In Deinem Kopf, Deinem Gehirn. Denn Dein Denken kannst Du beeinflussen.

Das ist nicht einfach, weil unsere „Daten-Autobahnen“, unsere neuronalen Netzwerke, unsere „Verdrahtungen“ im Gehirn, sehr löschungsresistent sind. Aber es ist möglich. Der 2. Pfeil ist heilbar.

Was kannst Du dafür tun?

Wird fortgesetzt…

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

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Die Sorgenstuhl-Methode Teil 2

Drucken Verfasst am 01.01.2017

Wie gehen Sie vor?

Platzieren Sie Ihren „Sorgenstuhl“ an der unattraktivsten Stelle Ihrer Wohnung. Empfehlenswert ist eine Ecke, in der Sie sonst nie sitzen. Wenn Sie den Sorgenstuhl benutzen, setzen Sie sich mit Ihrem Gesicht bewusst zur Wand oder zur Ecke hin (Dort sollte natürlich dann auch kein schönes Foto hängen, sondern Langeweile entstehen.) 

Die Übung in der 1. Woche: Vom 1. bis zum 8. Tag legen Sie eine 10minütige, feste Zeit am Vormittag fest (z.B. von 6.40 Uhr bis 6.50 Uhr) und eine feste Zeit am frühen Abend (z.B. 18.20 Uhr bis 18.30 Uhr).

7 Tage lang setzen Sie sich ab jetzt um 6.40 Uhr und um 18.20 Uhr mit dem Gesicht zur Wand auf Ihren Hocker, und beginnen sich über alles und jedes Gedanken zu machen. Alle Sorgen sind erwünscht, alle Grübeleien, jeder Selbst- und Fremdvorwurf, alle überzogenen, unerfüllten Erwartungen an Gott und die Welt, auch an sich selbst, derbe Bewertungen wie: „Ich bin sowieso nichts wert!“, „Keiner liebt mich!“, „Alle anderen sind besser als ich...“

Oder auch: „Was geschieht mit mir, wenn die Panikattacke kommt?“ – „Wenn im Kino Feuer ausbricht?“ – „Wenn ich den Job verliere?“ – „Eine Dachziegel auf meinen Kopf fällt?“ – „Ich aus der Niedergeschlagenheit nicht mehr herausfinde?“ ...

Malen Sie sich alle Katastrophen, die Ihnen widerfahren könnten, in bunten Farben aus. Spüren Sie genau hin: Wo sitzt die Angst in Ihrem Körper? Die Panik? Die Depression? Die Wut? Die Ohnmacht?

Erwünscht ist auch, alle Sorgen aufzubauschen. Wenn Sie schon minderwertig sind, dann sind Sie aber auch mit Sicherheit der minderwertigste Mensch des gesamten Universums. Wenn Sie ein Versager sind, dann gleich der allergrößte Versager seit Adam und Eva. Wenn Sie ein armer Tropf sind, dann aber auch der allerärmste Wurm, der sich auf Erden krümmt... 

Wir nennen diese Technik „Blow Up“ (aufblähen, vergrößern). Übertreiben hilft, um Humor in das Ganze zu bringen. (Hoffentlich verstehen und akzeptieren Sie Humor...)

Was aber, wenn sich in den Zeiten zwischen den beiden Sorgenstuhl-Sitzungen die destruktiven Gedanken noch mehr Raum verschaffen? (Das ist anfangs ganz normal.)

Dann hilft die Zusatz-Methode des „Gedankenstopps“.

Wenn sich also Ihre üblichen Gedanken aufdrängen, rufen Sie schlagartig: „Halt! Stopp! Um 18.20 Uhr!“ und verweisen Ihre Grübeleien auf den nächsten Sorgenstuhl-Termin. 

Sie zweifeln, dass das funktioniert? Anfangs zurecht. Aber Ihr Gehirn gewöhnt sich nach einer Woche an die Verschiebung Ihrer Sorgen.

Also: Sie verdichten die Grübel-Attacken und binden Sie an die Sorgenstuhl-Zeit. 10 Minuten morgens, 10 Minuten abends. Unbequemer Sitz. Gesicht zur Wand. Grübeln. Aufblähen. Übertreiben. Humor... Dann: Stopp! Grübelpause.

Und jetzt der geniale Plan: 

  1. Woche, wie besprochen: 10 Minuten morgens und 10 Minuten abends. Immer zur gleichen Zeit.
  2. Woche: 5 Minuten morgens und 5 Minuten abends. Immer zur gleichen Zeit.
  3. Woche: 5 Minuten morgens oder 5 Minuten abends. (Eine Sorgen-Sitzung entfällt.)
  4. Woche: Nur noch 1 Minute, morgens oder abends. Schluss. Ende. Grübel-Aus.

4 Wochen für mehr Gedankenruhe. Für weniger Selbstsabotage-Programme, weniger Katastrophen-Gedanken. 4 Wochen für besseren Schlaf und bunte Farben im Leben. Und vor allem für mehr Zuversicht und die Gewissheit: Ich kann etwas ändern und Neues lernen, wenn ich aktiv bin.

Denn das Leben ist immer so, wie Sie es sehen und bewerten. 

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

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