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Mit der Strömung, gegen die Strömung?

Drucken Verfasst am 08.12.2014

Mit der Strömung zu schwimmen ist (relativ) einfach. Im Mainstream zu baden heißt: Von Vielen akzeptiert zu werden, dabei zu sein, mitsprechen zu können…

Kurz und gut: eingebettet zu sein in das, was die Gesellschaft, der Freundeskreis, die Familie, aber auch die Religion, das gültige Wertesystem, die moralischen Normen erwarten.

Windungen und Kehren wünscht man sich nicht im Lebensfluss. Sie sind nicht vorgesehen, eher „Unfälle“, werden oft schamhaft verschwiegen. „Helden“ sind die, die scheinbar mühelos innerhalb des vorgegebenen Flussbettes durchstarten. Krisen – wie Depressionen, Ausgebranntsein, Schwäche zeigen – bedeuten höchstens Ausrutscher, die es schnell zu überwinden gilt.

Ganz anders Udo Lindenberg in seinem Lied „Gegen die Strömung“:

„Und die Leute motzen:

Da kommen die zwei Geflippten,

die durch nichts zu bremsen sind –

und die schwimmen gegen die Strömung

und rennen gegen den Wind.“

Mit der Strömung zu schwimmen ist auf den ersten Blick leichter. So vermeidet man Kritik, fällt weniger auf, eckt weniger an – und findet das gut. Doch nach und nach beschleicht viele Menschen das Gefühl: „Das kann doch nicht alles gewesen sein.“ – „Das ist doch alles zu normal.“ – „Das Leben bietet doch mehr!“ Ganz typisch in der Lebensmitte.

Wieder andere nehmen klaglos alles in Kauf, leiden still vor sich hin. Wolf Büntig, Arzt und Psychoanalytiker, spricht von der „Normopathie“, dem Leiden am normalen (durchschnittlichen) Leben. Normopathie gilt nicht als Krankheit im eigentlichen Sinne, führt aber zu Folgen, die wir Krankheit nennen. 

Was ist die logische (gesunde) Konsequenz?

 Man muss schon mal vom Weg abkommen, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Das Leben ist kein planbarer, gerader Kanal. Umwege sind oft Meilensteine auf dem Weg der Erfahrung und Erkenntnis.

Sind die Erfahrungen, die Du auf einem begradigten Flusslauf machen kannst, genauso vielfältig wie die Erfahrungen in den Windungen und Kehren eines natürlichen Flusses? – Der begradigte Fluss schwemmt Dich ohne Anecken, ohne Verwundungen, ohne Verweilen, ohne Innehalten an ein Ziel.

Bist Du dadurch reifer geworden? Bist Du dadurch reicher geworden – an Erfahrung, an Erkenntnis und Weisheit?

Wie geht es Dir am Ziel, wenn Du nicht eins bist mit allem, was Dich ausmacht, was Du bist?

Lebe Deine Eigenartigkeit, sei eigensinnig. Unvergleichlich und unverwechselbar.

Freue Dich über alles, was Dich aus dem „Mainstream“ wenigstens ab und zu, herausführt. Freue Dich über die Biegungen, die Kurven, die Tiefen und Strömungen Deines Lebensflusses und nimm sie dankbar an. Du kannst sicher sein: Umwege sind keine Irrwege. Was Du als Umweg betrachtest, ist notwendige Voraussetzung für Wachstum und Reife des ganzen Menschen.

Sei dankbar für den Wandel, für jeden Tag und jede Nacht.

Die Worte „eigenartig“ und „eigensinnig“ schreibe ich in aller Regel wie folgt:

eigenARTig und eigenSINNig. Was nichts anderes bedeutet als:

Lebe Deine eigene Art, Deine LebensKUNST. Deine eigenen Sinne, die Deinen LebensSINN befördern.

Schaffe Dir ein neues Leitbild für Dein Leben.

Was spricht dafür, mit der Strömung zu schwimmen?

Was spricht dafür, gegen die Strömung zu leben?

Auch hier gibt es, wie immer im Leben, keine hundert Prozent auf der einen, und null Prozent auf der anderen Seite. Es geht nicht um Anecken um jeden Preis. Erst recht nicht um Brüskieren. Aber lebe Deine Ecken und Kanten, und zeige Dich der Welt in Deiner Unvergleichlichkeit. Lebe Deine eigene Art, Deinen eigenen Sinn. Dann lebst Du Dein Leben. Und vollendest es, wenn der Strom im weiten Ozean mündet, als Original und nicht als Kopie.

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp 

12 Lebensregeln

Drucken Verfasst am 27.10.2014

1.  Sei spielerisch und naiv wie ein Kind. 

2.  Liebe und würdige alles, was ist.

3.  Bemühe Dich, offen und dankbar zu sein.

4.  Lebe in Frieden mit Dir und den anderen.

5.  Vertraue Deiner inneren Führung, der Stimme Deines Herzens.

6.  Stelle keine Fragen nach dem Sinn. Es ist, wie es ist.

7.  Betrachte die Dinge mit Gelassenheit und Distanz. Das ist gut und weise.

8.  Sei bewusst.

9.  Leben ist Bewegung, Loslassen ist Leben.

10.  Sei dankbar für den Wandel, für jeden Tag und jede Nacht.

11.  Gehe an die Dinge des Lebens heran mit der Unschuld des Kindes, mit der Freude des Siegers und dem Lächeln des Weisen.

12.  Freue Dich, ja, freue Dich – einfach so und jeden Tag.

Auszug aus einer Meditation vom 24. August 2001.

Diese Regeln waren mir für mich und meine damalige Lebenssituation „offenbart“ worden. Ich bin überzeugt, dass sie universelle Gültigkeit besitzen. 

Georg Rupp 

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Nur wenn ich meine Schwäche akzeptiere, bin ich wirklich stark

Drucken Verfasst am 01.09.2014

Ein Kollege erzählte mir einst von seiner Arbeit mit Krebspatienten. Er führte eine Patientin durch eine Phantasiereise. Gab ihr den Auftrag, sich vorzustellen, etwas von sich, das sie gerne abgeben würde, in ein Kästchen zu legen – dieses Kästchen dann mit auf eine Wanderung zu nehmen… über Wiesen, an einem Fluss vorbei, durch einen Wald bis zu einer offenen Lichtung. Oben auf dieser Lichtung saß vor einem Haus eine weise Frau.

Die Patientin sollte sich nun vorstellen, mit dem Kästchen in den Händen zu dieser weisen Person zu gehen, und ihr das Behältnis samt Inhalt zu überreichen. Die alte Frau verschwand damit in ihrem Haus. 

Kurze Zeit später kam sie wieder heraus, übergab ihrerseits der Patientin ein verschlossenes Kästchen, ebenfalls mit einem unbekannten Inhalt. 

Daraufhin machte sich die Patientin wieder auf den Weg zurück, durch den Wald, am Flussbett entlang… bis zum Ausgangspunkt, der grünen Wiese. 

Anschließend fragte der Therapeut: „Was haben Sie vor dem Aufbruch in das Kästchen gelegt? Was wollten Sie von sich abgeben?“ 

„Meine Krebserkrankung, denn die wollte ich ja nicht mehr haben“, antwortete die Patientin.

„Und was war in dem Kästchen, das die alte, weise Frau Ihnen mit auf den Rückweg gab?“ fragte der Therapeut weiter. 

„Seltsam“, meinte die Patientin, „sie hat mir meine Krebserkrankung zurückgegeben. Sie sagte zu mir: Diese Erkrankung ist Teil Deiner Persönlichkeit. Erst wenn Du sie annimmst, Dich mit ihr versöhnst, kannst Du geheilt werden. Wenn Du sie nicht annimmst, wirst Du ewig im Kampf stecken bleiben.“

Von diesem Moment an, als die Patientin sich entschied, die Krankheit zu akzeptieren, wurde sie selbst ihr bester Therapeut. Die Entscheidung, die Krankheit nicht mehr zu verleugnen oder zu verdrängen, setzte in ihr Energien frei. Damit gewann sie wieder die Klarheit über sich und ihr Leben. 

In herzlicher Verbundenheit 

Georg Rupp 

Aus: „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“, 

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Klang und Stille

Drucken Verfasst am 07.08.2014

Stille ist Sanftheit.

Stille weckt das zentrale Bedürfnis des Menschen nach Verstandensein.

Nach Sicherheit, nach Einheit.

Wer sich der Stille hingibt, berührt den Atem Gottes.


Stille kennt keine Angst.

Stille kennt keine Zeit.

Stille ist angstfrei, zeitlos, unbegrenzt.

Stille bejaht Dich.

 

Lass Dich von der Stille emportragen zu den Gipfeln des Lebens.

Sag „ja“ zur Stille – sie ist Dein treuer Weggefährte auf ewig.

 

Übe keine Kritik an der Stille, wie auch die Stille Dich nie kritisiert.

So wie die Stille den Lärm nicht verurteilt,

verurteile auch Du nicht die Seele der Stille.

 

Die Stille lässt Lärm und Betriebsamkeit leben.

Sie ist – wie das andere ist.

 

Stille fordert nichts von Dir.

Stille beklagt sich nicht bei Dir.

Stille ist da, immer präsent.

Ist kein Gebot, ist vielmehr An-Gebot.

Stille bietet sich an.

Es gibt sie einen Millimeter neben der Hektik.

 

Hinter dem Alltagslärm liegt die Stille verborgen.

Du kannst sie auf-decken, ent-decken, frei-legen.

Du kannst sie Dir zum Geschenk machen.

 

Wenn Du Dich für die Stille öffnest, bist Du offen und frei.

Deine Seele ist frei-geschaltet.

Dein Herz ist frei-geschaltet.

Dein Geist ist frei-geschaltet.

Dein Grübeln ist abgeschaltet.

Deine Hektik ist abgeschaltet.

Dein „soll, muss, darf nicht“ ist abgeschaltet.

 

In der Stille bist Du im Raum der Erkenntnis.

Im Raum Deiner Gefühle.

Im Raum Deines Herzens.

Im Raum Deiner Sinne.

 

Spüre und lausche, wie edel und sanft sie klingt.

Höre auf den Herzschlag der Stille.

Lass Dich von der Stille verzaubern.

Hör genau hin: Sie erzählt Dir vom Geheimnis des Lebens.

Vom Geheimnis der Liebe.

Vom Geheimnis der Harmonie.

 

Ehre die Stille –

sie macht Dich frei und offen für die Wahrheit des Lebens.

 

Stille ist die schönste Musik!


Diese Gedanken sind mir Satz für Satz, Wort für Wort, in Meditationen eingegeben worden. Ich gebe sie so weiter, wie sie mir zuteil geworden sind.

Georg Rupp

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An der Welt leiden – oder die Welt verzaubern?

Drucken Verfasst am 05.07.2014

Beim Entrümpeln fand ich vor kurzem die Notizen einer Ansprache, die ich am 14. Oktober 1994, also vor annähernd 20 Jahren, gehalten habe. Anlass war die Eröffnung einer Hotelerweiterung im ländlichen Westfalen. Das Eigentümer-Ehepaar hatte sich schon damals die Förderung von Lebensbalance und innerer Zentrierung auf die Fahne geschrieben. Als Ideengeber war ich beauftragt, den Schwimmbad-, Sauna- und Meditationsbereich mitzugestalten.

Auch heute, 20 Jahre später, passen die Gedanken hier hin. In Ausschnitten sagte ich Folgendes:

„Wer in die Fußstapfen eines Anderen tritt, kann ihn nie überholen.“

Man muss eben manchmal vom Weg abkommen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.

Sie, liebe Familie S., sind eigene Wege gegangen. Für heute und für die Zukunft wünsche ich Ihnen Glück, innere Zufriedenheit und Gottes Segen für Ihr Haus und Ihre Gäste.

Eine chinesische Geschichte lautet:

Ein in der Meditation geübter Mann wurde gefragt, warum er immer so gesammelt sei. Daraufhin sagte er ihnen:

„Wenn ich sitze, sitze ich. Wenn ich stehe, stehe ich. Wenn ich laufe, laufe ich.“

Da sagten sie zu ihm: „Das tun wir auch!“

Er entgegnete aber:

„Wenn Ihr sitzt, dann steht Ihr schon. Wenn Ihr steht, dann lauft Ihr schon. Und wenn Ihr lauft, dann seid Ihr schon am Ziel!“

Entspannung und Konzentration sind nur möglich, wenn wir uns ganz auf das Hier und Jetzt besinnen können. Und das in einer Welt, die immer komplexer wird und in der sich bestehende Werte auflösen. In der sich das Tempo und der Wandel beschleunigen und das Neue immer schneller neu wird.

Je mehr Reizüberflutung, je mehr Turbulenzen, umso leichter gerät der Mensch in Gefahr, sich unkonzentriert zu verzetteln. Wer sich verzettelt, bleibt allenfalls durchschnittlich und entwickelt nicht sein ganzes Potenzial.

Warum ist heute die Fähigkeit zur Entspannung und Konzentration so wichtig?

Warum sprechen wir immer stärker von der Ganzheitlichkeit, der Einheit von Körper, Geist und Seele?

Warum gewinnt die Wiederentdeckung der Sinne so sehr an Bedeutung?

Begleiten Sie mich bitte auf einer kurzen Wanderung durch die letzten Jahrzehnte.

Trendforscher bezeichnen die Fünfzigerjahre auch als die "naive Phase".

Nach dem 2. Weltkrieg suchten viele die „heile Welt“ – und fanden sie in der Försterliesel, in der Sissi oder in der Fischerin vom Bodensee. Andere lebten sich aus im Boogie Woogie oder Rock’n’Roll.

Mit der Verdrängung der Kriegswirren begann der Aufbruch in die Wohlstandsgesellschaft.

Die Sechzigerjahre waren eine „Ära der Entwurzelung“.

So kam es zum Wertewandel ab 1965. Träger dieser Bewegung waren die Studentenrevolte („Unter den Talaren Muff von tausend Jahren“), die Hippies, die Außerparlamentarische Opposition (APO) sowie Anfänge der Bürgerbewegung. Noch heute spricht man von den „Achtundsechzigern“.

Während die Sechzigerjahre zerstörten, fingen die Siebzigerjahre an zu träumen. Es begann die „Ära der Ideation“, der Leichtigkeit von Idealen. Angefangen von der Öko-Bewegung, der Ethik-Bewegung und New Age, setzte man auf neue Ideale. Die Sprache wurde unverbindlicher: „Ich sag mal so…“ oder „Mal so gesehen…“.

Die Achtzigerjahre wurden zur „Ära der Oberfläche“. Profan, vergänglich – die Entdeckung der Gleichgültigkeit.

Es wuchs die Gameboy-Generation heran. Kinder und Jugendliche wurden tiefen Gefühlen gegenüber unempfindlicher. Die Gesellschaft rutschte in eine Zeit der Oberflächlichkeit und des Scheins. Das Credo von Kim Basinger lautete: „Komm auf die Welt, schaukel Dein Ding, sei glücklich – und verschwinde. Das ist Dein Auftrag!“ Tiefgang im Denken und Fühlen war weniger gefragt als zuvor.

Im Übergang zu den Neunzigerjahren beginnt die „Ära der Simulation“, der Cyber-Technologie. Elektronisch netzwerkorientiert.

Immer mehr Menschen wollen profan leben, aber im Gehirn soll mehr Rauschen stattfinden. Simulierte Erlebnisse versprechen mehr Kopf-Abenteuer. Das Leben verlagert sich an die Kante („at the edge“).

Immer neue Nervenkitzel, neue thrills und neue Albträume auf der Suche nach der Beseitigung von Grenzen. (Ist hinter der Grenze eine Grenze und dahinter eine Grenze oder Grenzenlosigkeit?) Deshalb die Sehnsucht nach Freizeitparks, Disco-Fieber, phantastischen Glitzerwelten, Bungee-Springen, Freeclimbing und neuen Abenteuer-Erfindungen.

Immer mehr Menschen spüren sich nur noch in den Extremen. Sie spüren sich nicht mehr in ihrer Mitte. Sind innerlich hin- und hergerissen, ohne Balance.

Immer weniger Menschen nutzen ihre fünf Sinne, um sinnvoll zu leben. Lebe ich nicht mehr mit meinen Sinnen, bin ich von Sinnen. Ohne Sinne ist der Tag ohne Sinn. Ohne bewusst zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken, zu tasten, zu spüren und zu ahnen.

Mit seinen Sinnen ist der Mensch ausgeglichen, im Gleichgewicht, entspannt und konzentriert. Überlebenswichtig ist für jetzt und die Zukunft also die Wiederentdeckung der Sinne und die Ganzheit. Die Einheit also von Körper, Geist und Seele.

Die Zeit heute (Anmerkung des Verfassers: Ich spreche vom Jahr 1994!) braucht als Gegenströmung zur Wertezerstörung eine neue Werte- und Sinnkultur! Und das geht nur, wenn die Menschen wieder mehr zu ihrer Mitte finden und aus ihrer Mitte heraus lebendig sind. Wenn die Menschen sich wieder selbst entdecken. Ihre eigenen Ressourcen, ihre Energiequellen in ihrer Mitte. Und die Fähigkeit, abzuschalten, zu genießen und sich wohl zu fühlen. Dazu gehört vor allem die Ruhe, die Muße und die Stille.

Das hat schon der Wanderer erkennen müssen, der beim Haus eines weisen Menschen eine Rast einlegte. Von diesem weisen Mann, dieser weisen Frau, eingeladen, begannen sie über die Fragen zu philosophieren: Wer bin ich? Und: Wie finde ich zu mir?

Da sprach der weise Mensch zum Wanderer: „Geh zum Brunnen, beuge Dich über den Rand, werfe einen Stein ins Wasser – und Du wirst Deine Antwort erhalten.“

Der Wanderer tat, wie ihm geheißen, warf den Stein hinein und sah – nichts.

„Ich sehe nichts!“ rief er dem Weisen zu. „Das Wasser ist zu unruhig, ich kann mich nicht erkennen!“

Da sprach der weise Mensch: „Habe Geduld und warte.“

Nach einer Weile beugte sich der Wanderer wieder über den Rand – und das Wasser war ruhig und klar. Erfreut rief er aus: „Ja, jetzt erkenne ich mich!“

Meine Damen und Herren, entdecken Sie heute wieder Ihre Fähigkeit zu staunen – draußen und drinnen.

Erobern Sie sich dieses Haus mit einer großen Portion kindlicher Freude. Sehen Sie, hören, riechen, schmecken und fühlen Sie. Genießen Sie mit allen Ihren Sinnen. Schon André Heller war überzeugt: „Solange es das Staunen gibt, feiert die Banalität keine Triumphe!“

Und von Vicco von Bülow alias Loriot stammt der Satz: „Man hat nur Spaß im Leben, wenn man das Kindliche in sich trägt.“

Wann lassen Sie, oder Sie, oder Sie einen Drachen steigen und verzaubern die Welt mit Seifenblasen?

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

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Friede, Freude, Eierkuchen

Drucken Verfasst am 01.06.2014

Das Leben strebt nach Harmonie. Menschen mit identischen Gesichtshälften wirken auf uns harmonischer als Menschen, deren Gesichtshälften Unterschiede aufweisen. 

In der Kunst gilt der „goldene Schnitt“ als Maß der Harmonie. In der Musik entwickeln bestimmte harmonische Tonfolgen eine beruhigende, ja manchmal heilende Energie. Und Kinder, die selbstvergessen spielen, sind in Harmonie mit sich und der Welt. 

Warum leben wir Erwachsenen nur so oft disharmonisch?

Wir kippen Tag für Tag aus unserer Lebensbalance, aus dem Gleichgewicht und der Harmonisierung von Berufs- und Privatleben, von Bewegung und Ruhe, von Spaß und Sinntiefe, von Zurückgezogenheit und Kontakt. Sind oftmals überfordert, verbeißen uns in eine Sache, wollen später alles ganz anders machen, ohne zu wissen, was und wie. Da wir nicht akzeptieren, was ist, leben wir nicht im Hier und Jetzt. 

Wir fühlen uns ungerecht behandelt – weil wir uns selbst ungerecht behandeln.

Wir fühlen uns vom Schicksal benachteiligt – weil wir uns selbst benachteiligen.

Weil wir nicht an uns glauben, weil wir uns nicht vertrauen, weil wir uns nicht genug lieben.

Wir geben tagtäglich der Disharmonie in uns und um uns herum Energie. Wie soll die Welt zu uns harmonisch sein, wenn wir gar nicht zulassen, wenn wir gar nicht spüren, wie sich Harmonie anfühlt.

Zur Harmonie gehört das „Sein“, nicht das „Haben“. 

Wenn wir aber mit allem verbunden sind, strahlen wir genau das aus, was wir empfinden. Denn:

Wer sich selbst nicht liebt, kann andere nicht lieben. 

Wer sich selbst nicht vertraut, kann anderen nicht vertrauen.

Wer sich über sich selbst nicht freuen kann, kann sich nicht über andere freuen.

Jeder kann in Harmonie leben, der mit sich selbst in Harmonie lebt. Du kannst überall zu Hause sein, wenn Du in Dir selbst zu Hause bist.

Es geht nicht um Harmonie um jeden Preis, immer und überall. Erst recht nicht um „Friede, Freude, Eierkuchen“. Es geht um das kleine Glück des Augenblicks. Wenn Du zur Ruhe kommst, wenn Du meditierst, wenn Du zu Dir kommst, kannst Du den inneren Raum Deiner Harmonie betreten. 

Das ist es, was uns reicher macht.

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp 


Aus:„Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80 Euro)

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Der Freundschaft dienen – Teil 4 Freundschaft fällt nicht in den Schoß

Drucken Verfasst am 28.04.2014

Freundschaft fällt nicht vom Himmel wie die Sterne in den Schoß des Sterntaler-Mädchens. Wer nicht sät, kann auch nicht ernten.

Zu einem herzlichen Umgang miteinander gehört aber auch der Mut, seine Andersartigkeit, seine eigene Identität in gegenseitigem Respekt auszudrücken und leben zu können. Lieber eine konstruktive Kritik, eine querdenkende Kreativität als stromlinienförmige Ja-Sager, die unter Watte und Zuckerguss ihre innere Kündigung für die Freundschaft schon ausgesprochen haben.

Eine Gemeinschaft lebt auch von der Gegensätzlichkeit und seinen Polaritäten. Vom Ringen um Nähe und Distanz, vom Zweifel und Glauben, vom Bewahrer und Beschützer der Werte und Normen, bis hin zum Propheten und Spinner, der im besten Sinne des Wortes „verrückt“ ist, weil er die Normalität ver-rückt! Freundschaft braucht Zuversicht. Braucht aber auch Auseinander-Setzung. Denn nur, wer sich auseinandergesetzt hat, kann sich immer wieder neu zusammensetzen.

Und noch eins: Freundschaft gibt es nicht im Dauerabonnement. Freundschaft müssen wir uns Woche für Woche und Jahr für Jahr erarbeiten und verdienen. Der wichtigste Teil des Wortes „verdienen“ ist das „dienen“.

Der Freundschaft dienen. Wenn wir feststellen, dass alte Werte – zu Recht oder Unrecht – zerstört werden, dann ist es sicher an der Zeit, ja not-wendig, um die Not zu wenden, sich über neue Werte Gedanken zu machen. (Und hierzu weniger seinen Verstand zu befragen, sondern vielmehr sein Herz!)

Ich postuliere vorab vier Kernpunkte:

  1. Geistige Werte werden wichtiger als materielle Werte! Wir brauchen die Transformation der Konsumgesellschaft in eine Kulturgesellschaft.
  2. Ein hohes, wenn nicht das höchste Ziel unseres Landes, unseres Denkens und Handelns, ist die Bewusstseinsentwicklung des Menschen. (Schon Goethe wusste: Der Geist, aus dem wir handeln, ist das Höchste.)
  3. „Weich ist besser“. Das heißt: Liebevolles, verständnisvolles Agieren zu anderen und zu sich selbst ist zwar schwieriger durchzuhalten als die harte, autoritäre Art. Sie ist letztlich aber erfolgreicher, auch wirtschaftlich.
  4. Vom „Macher“ zum „Diener“! Das alte Paradigma hieß: „Machen“. – Sie alle kennen den typischen „Macher“, den Fetzer, der sein Motto „Ich mache“ mit dem Gedanken verbindet: „Ich bin in Ordnung und muss die Welt in Ordnung bringen.“

    Das neue Paradigma „Ich diene“ heißt aber vor allem: „Ich muss zuerst mich in Ordnung bringen.“ Anderen helfe und diene ich am besten, wenn ich zunächst das tue, was mir selbst hilft und dient.

    Denn erst, wenn ich mich selbst erkenne, kann ich Andere erkennen. Wenn ich mich selbst achte, kann ich Andere achten. Wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch Andere lieben. Und die Liebe ist nun einmal die wirksamste Kraft all unseres Schaffens.

    Vom Macher zum Diener aber ist ein Prozess. Denn dienen ist die Fortentwicklung des Gemachten. Dienen heißt, der Demut Raum zu geben. Der Weise schließlich ist derjenige auf dem Gipfel, der der Welt dient, ihr aber nicht anhängt. Lasst uns alle miteinander daran arbeiten, ein wenig weiser zu werden und über unser Ego hinauszuwachsen.

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp

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Der Freundschaft dienen – Teil 3 Über die Männerfreundschaft

Drucken Verfasst am 19.04.2014

Als ich vor etlichen Jahren diesen Vortrag hielt, schien es mir wichtig, speziell bei den Männern darauf hinzuwirken, ihr Herz zu öffnen für die weichen Anteile, die für Freundschaften so wichtig sind. Machos gibt es ja genug…

Wer sind wir Männer denn überhaupt?

Ina Deter sang schon vor vielen Jahren: „Neue Männer braucht das Land.“ – Hat man uns also samt und sonders auf einen Haufen geschmissen.
Herbert Grönemeyer legte den Finger in unsere Wunden: „Männer weinen heimlich… sind außen hart und innen ganz weich…“

Männer kommen mittlerweile mehr als je zuvor in Psychotherapie: Stress belastet, mit Magengeschwüren, Potenzstörungen, Karriereproblemen, Burnout. Männer haben durch die Emanzipation der Frau ihre lang eingeübte Rolle verloren.

Alexis Zorbas, der Grieche, war noch ein Lustmensch. Er lebte wie die Sonne. James Bond durfte töten, Django aus der Hüfte schießen, der Camel-Mann meilenweit gehen, der einsame Cowboy freiheits- und abenteuerliebend an der Marlboro ziehen, der rationale Top-Manager seine Gefühlsunsicherheit im Erfolg kompensieren, der Macho-Held wenigstens angeben, der Coole sagen: „It’s cool man!“

Aber die Kraft des wilden und weichen Mannes haben die meisten von uns nie kennengelernt. Ein Indianer weint doch nicht…

Dabei schrieb schon vor mehr als 60 Jahren der Individualpsychologe C. J. Jung: „Die wichtigste Aufgabe des Individuums in seiner zweiten Lebenshälfte ist es, zu lernen, den gegensätzlichen Geschlechtsanteil in seine Ganzheit zu integrieren: Der Mann die Anima (das weibliche Prinzip), die Frau den Animus (das männliche Prinzip). Also Yin und Yang zu leben und beide Seiten in sich in Einklang zu bringen.

Aber ein Trost bleibt uns Männern – ganz im Ernst: Bis die Integration gelingt, verlieren wir in Männerfreundschaften die Abhängigkeit von der Frau als alleinigem Hort des Weiblichen. Auch Männerfreundschaften schenken Geborgenheit, sind Oasen. Und mehr – eine Übereinstimmung des Gefühls wird gesucht, ein eigenes Verständnis, eine Beziehung ohne Absichten und Absicherungen, ohne Angst vor weiblicher Ablehnung, ohne Rivalitätsgehabe und ohne Neid. Darüber hinaus auch eine Sehnsucht nach der Leichtigkeit des Seins. Ja, Männer können für andere Männer auch in dem Sinne wichtige Freunde sein, dass sie für sie zu Lehrern des Denkens und des Lebens werden.

Vom Freund lernen, sich zu entwickeln und ganz zu werden.

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp

Teil 4 folgt.

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Der Freundschaft dienen – Teil 2 Freunde fürs Leben?

Drucken Verfasst am 12.04.2014

Wie wichtig ist Freundschaft? Dr. Peseschkian, ein persischer Arzt und Psychotherapeut (verstorben am 27. April 2010), zeigte gestressten Managern gerne eine Zeichnung mit einem Kreuz und den entsprechenden vier Polen, die stehen

  1. für Körper und Geist,
  2. für Arbeit und Erfolg,
  3. für Familie und Freundschaften, und
  4. für den Sinn, also Religion, Kunst, Musik und Philosophie.

Die Aufgabe lautete, das gesamte eigene Energiepotential von 100 % realistisch auf diese vier Bereiche aufzuteilen. Herausgekommen ist im Durchschnitt aller befragten Manager: Ein Energieeinsatz für Körper und Geist von 10% („man spielt ja regelmäßig Tennis oder Golf“), für Arbeit und Erfolg 75%, für Familie und Freunde 5-15% und für Sinn 0 bis 10%.

Für Familie und Freundschaft, für Sinn, Kultur und Philosophie kamen also im Durchschnitt gerade einmal 15 % Motivation und Energieeinsatz zusammen. Sind Freundschaft und Sinn so wenig gefragt?

Kaum jemand bestreitet den Wert einer langjährigen Freundschaft. Und doch scheint es immer schwieriger zu werden, Freunde fürs Leben zu finden. Es gibt Umfragen, die belegen, dass – unabhängig von Geschlecht und Alter – ein Drittel aller Deutschen aussagt, keinen Freund zu haben. Konzentriert man die Umfragen auf die Gruppe der erwachsenen Männer, so erhält man ein noch erstaunlicheres Ergebnis: Zwei Drittel der deutschen Männer haben keinen einzigen guten Freund! Dafür muss es ja Gründe geben.

Ich denke, jeder von uns spürt, dass unsere Zeit sehr schnelllebig und chaotisch geworden ist. Werte verändern sich. Das Neue wird immer schneller neu. Die „gute, alte Erfahrung“ reicht zur Lebensbewältigung nicht mehr aus. Wir müssen uns also immer komplexeren Herausforderungen stellen, die unsere Zeit und Energie in hohem Maße beanspruchen.

Kürzlich sagte mir ein Bekannter: „Wir sind zu müde für Freundschaften. Früher ging man weite Wege, danach verabredete man sich per Anrufbeantworter, und heute in sozialen Netzwerken.“ Freundschaft leidet demnach auch unter der Mobilität, die unsere heutige Zeit zunehmend erfordert. Wer kann noch so leben wie jener Bauer im Westerwald, im 250-Seelen-Dorf, der in seinen siebzig arbeitsreichen Jahren nicht über einen Radius von 15 Kilometern hinausgekommen war: 4 Kilometer bis zur Kirche, und 15 Kilometer bis zur nächsten Kreisstadt. Ich habe ihn einmal gefragt, ob er denn nicht wenigstens mal in Köln gewesen sei. Seine Antwort: „Ich geh doch nicht aus der Welt!“ In der sozialen Struktur seines Dorfes fand er Akzeptanz und Freundschaft zwischen Dorfplatz, Kneipe und Freiwilliger Feuerwehr.

Unvorstellbar für uns Städter. Unvorstellbar für den „Weltstädter“ von heute und morgen. Erst recht für den Manager zwischen Zeitplanbuch, Flughafen und Time-lag.

Charakteristisch für den sogenannten „modernen“ Menschen ist auch der Hang zu vielen verschiedenen „Funktionsträgern“ statt eines Freundes/einer Freundin, mit denen man die Erfahrungen des ganzen Lebens teilt. So trifft man sich mit Ernst beim Sport, geht mit Hans zur Volkshochschule und mit Jutta ins Theater. Es scheint so, dass wir Unverbindlichkeit und Distanz höher schätzen als die Fähigkeit, Nähe herzustellen.

Wenn Sie mit Ihrem Auto um Mitternacht 20 Kilometer vor Köln liegenbleiben würden, fragen Sie sich doch einmal selbst: Hätten Sie jemanden, den Sie weckten und der Sie dort abholen würde? Damit meine ich nicht den ADAC. – Ein Freund macht sich auf den Weg…

Freundschaft ist ein ganzheitliches Konzept. Freundschaft braucht Freiraum zur Entwicklung, braucht Zeit und Pflege. Vielleicht haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht: Echte Freundschaften können durch räumliche Trennung sogar jahrelang ruhen – und bleiben dennoch bestehen. Schon beim ersten Kontakt ist es sofort wieder da – dieses Gefühl, als hätte man sich nie aus den Augen verloren.

Ein weiteres Kriterium für Freundschaft: Freunde halten nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg, auch nicht mit ehrlicher Kritik. Dafür sind sie eben Freunde. Mit einem Freund kann man allen Kummer teilen, aber auch jeden Sieg feiern. Ein Freund ist für einen da, wenn alle anderen sich abgewandt haben – und erst recht, wenn man strahlend im Mittelpunkt steht.

Freundschaft ist allerdings nichts für Spekulanten. Die Investition in eine Freundschaft tätigt man ohne Garantie auf Rendite! Wer sich fragt: Was könnte mir diese Freundschaft bringen? – kann schon kein Freund mehr sein. 

Freundschaft lebt allerdings von einer Voraussetzung: Nur derjenige kann Freund sein, der sich selbst zum Freund hat! Wer sich selbst nicht mag, mag auch keinen anderen vorurteilsfrei. (Vielleicht will er ihn „besitzen“, aber er mag ihn nicht wirklich.)

Wie heißt es doch schon in der Bibel: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ Sich selbst freundlich behandeln ist also die Basis. Und das ist heute nicht einfach.

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp

Teil 3 folgt.

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Der Freundschaft dienen – Teil 1 Ein Haus der Freundschaft entwerfen

Drucken Verfasst am 05.04.2014

Vor längerer Zeit hielt ich einen Vortrag vor geladenen Gästen, die sich ehrenamtlich um soziale Belange kümmern, über den Wert von Freundschaft und Nächstenliebe. Ich möchte Sie heute daran teilhaben lassen, denn Freundschaft und gelingende Beziehungen sind ein wesentlicher Stützpfeiler eines guten Lebens.

Herr Dr. Klöbner trifft Herrn Müller-Lüdenscheid. Zwei Herren im Bad, in Szene gesetzt von Loriot. Der Beginn einer wunderschönen Männerfreundschaft – obwohl ja ständig eine Ente dazwischenkam. Ja, Sie lachen. Und damit haben wir den Sinnspruch erfüllt: „Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“

Ich möchte mit Ihnen heute ein „Haus der Freundschaft“ entwerfen. Dabei ist es zunächst sinnvoll zu wissen, dass das Wort „Freund“ wie „Friede“ und „frei“ auf die indogermanische Wurzel „Fri“ zurückgeht. „Fri“ bedeutet lieben und hegen. Freundschaft umschließt Schutz und Beistand, vor allem in der Fehde. Bauen wir also jetzt zum Schutz und zur Sicherheit ein stabiles Haus der Freundschaft.

Stellen Sie sich einmal ein Haus vor, mit Fundament, Parterre, Obergeschoss und einem alles überspannenden Dach. Die Pfeiler des Hauses sind wie die Säulen eines Tempels: Stünden alle Säulen auf einer Seite eng zusammen, könnten Sie das Dach des Tempels nicht tragen. Deshalb stehen sie auseinander, wie auch Eiche und Zypresse nicht im Schatten des anderen, sondern getrennt voneinander wachsen. Sie geben sich Raum, Freiraum.

So kann auch Freundschaft nur gedeihen durch Freiräume. Durch das rechte Maß an Nähe und Distanz. Auch die Stützen des Hauses vermischen sich nicht. Es sind Eck-Pfeiler.

Diese vier Pfeiler, die das Fundament des Hauses bilden, sind

  1. Das „Ich“ mit seinem Wesenskern, der persönlichen Note und Ausstrahlung
  2. Das Gegenüber, das „Du“ mit seiner eigenen Individualität
  3. Die Begegnung und Kommunikation im „Wir“
  4. Die „Bindemittel“, sozusagen der Beton, von den genetischen Voraussetzungen über die Kohärenzfähigkeit bis zur tief im Inneren wohnenden, in allen Kulturen vorzufindenden Sehnsucht nach Menschlichkeit, nach Harmonie, Liebe und Frieden.

In der Bodenplatte im Parterre fließen nun diese vier Strömungen und die Motive zur Freundschaft zusammen und erhalten die Freiheit, sich gegenseitig dauerhaft anzuziehen oder abzustoßen. Ist die prägende Kraft positiv, stimmt ferner die „Chemie“ oder die „Schwingung“, kann am gemeinsamen Haus weiter gebaut werden.

Im Erdgeschoss finden dann später gemeinsame Feste statt, auch der alltägliche „Smalltalk“, der Kaffeeklatsch, Stammtischgespräche mit mehr oder weniger geistreichem Witz, gemeinsame Interessen, Kontakte bei Sport und Spiel. Zur Parterre gehören auch die Lästermäuler und Weltverbesserer an den Tresen dieser Welt. Männer, die sich gerne mal der häuslichen Nähe entziehen. Zur Parterre gehören auch die Lästermäuler und Weltverbesserer an den Tresen dieser Welt. Männer, die sich gerne mal der häuslichen Nähe entziehen.

Die erste Etage, dem Himmel etwas näher, ist den schönen Künsten vorbehalten, dem Geist, der Ästhetik, der Philosophie und Musik… oder, wie Lin Yutang schreibt: „Unter mancherlei Freunden sind am besten solche, die Gedichte schreiben können, demnächst solche, die zu plaudern und ein Gespräch zu führen verstehen, in dritter Linie, die malen können, an vierter Stelle solche, die eine Singstimme haben und zuletzt kommen die, die gute Kumpane beim Zechgelage und bei den Gesellschaftsspielen sind.“ (Die letzten sind eher die des Erdgeschosses…)

Und das Dach? – Das Dach im Haus der Freundschaft kann nur einen spitzen Giebel haben. Er stellt den Bezug zum Kosmos her, zur Ahnung, zum Glauben an eine höhere Macht, zur Transzendenz und Spiritualität. Ohne ein solches Dach scheint mir das Haus nicht vollständig und nicht geschützt. Schon der Tiefenpsychologe C. G. Jung bezeichnete als eine seiner Kernaussagen die Frage: „Bist Du auf Unendliches bezogen oder nicht?“ Und Le Corbusier, der große Baumeister und Architekt, behauptete gar: „Nur das Vertikale gibt dem Horizontalen Sinn!“

Auf festem Fundament durch die verschiedenen Ebenen der Freundschaft zur Spiritualität – ein solches Haus der Freundschaft hätte wohl gute Chancen, wie ein Fels in den Brandungen des Lebens überdauern zu können.

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp

Teil 2 folgt

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Mitten im Leben

Drucken Verfasst am 17.03.2014

Mitten im Leben. Tagtäglich mitten im Leben sein. Mitten im Leben – so habe ich es von meinem Lehrer Wolf Büntig gelernt – bedeutet nichts anderes als: Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute mitten im Leben zu sein. Ganz im Hier und Jetzt. Das kann ein vierjähriges Kind, das kann ein achtzigjähriger Opa. Immer mitten im Leben. 

„Mitten im Leben“ heißt für mich auch: Mitten aus dem Herzen leben. Jeder kann lernen, mitten aus seinem Herzen zu leben.

In einem ersten Schritt geht es darum, sich für den eigenen Herzraum zu öffnen. Den großen Raum im Inneren wahrzunehmen. Das setzt Übung voraus.

In einem zweiten Schritt spüre achtsam nach: Ist dieser große innere Raum voll oder leer? Warm oder kalt? Reich an Schatten oder voller Licht? Wenn Du achtsam bist, wirst Du zur Essenz Deines Herzens gelangen.

Für den Fall, dass sich in diesem großen inneren Raum Dunkelheit breitgemacht hat, gibt es einen „Schalter“, um ihn wieder hell und leuchtend werden zu lassen. Denn die Essenz ist nicht die Dunkelheit. Die Essenz ist frei fließende, göttliche Energie.

Das einzige, was Du im dritten Schritt tun musst: Bereit sein, Dich zu öffnen und mit möglichst großer Hingabe zu leben. Dann kann Gnade spürbar werden.

Meditationslehrer sagen: Wir sind eine Welle von Licht und sanfter Gnade. Die Gnade ist der wahre Urgrund unseres Lebens. Sie trägt uns. Da sind wir, wer wir wirklich sind.

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

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Die Frage nach dem Glück und dem guten Leben

Drucken Verfasst am 08.02.2014

Heute möchte ich mit euch ein wenig darüber reflektieren, was Menschen seit mehr als zweitausend Jahren bewegt: Die Frage nach dem Glück und dem guten Leben.

Solange es Menschen gibt, die über ihr Leben nachdenken, wird es verschiedene Ansichten und Antworten geben.

Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.), einer der bedeutendsten Philosophen der Antike, hätte im Jahr 2014 auf die Frage nach dem guten Leben vielleicht geantwortet:

„Viele Menschen der heutigen Zeit konzentrieren sich auf etwas, was ich gar nicht als Glück bezeichnen würde, sondern als Streben nach lustvollen Erlebnissen. Das ist aber keine besonders sinnvolle Unternehmung. In meinen Augen ist sie die niedrigste von den dreien, die ich prinzipiell unterscheiden möchte. Beim Streben nach Lust ist nämlich nur das Begehrungsvermögen angesprochen, also jene Triebe nach Befriedung grundlegender Bedürfnisse, die wir auch mit den Tieren teilen.

Das wahre Glück liegt in der Eudämonia, das meine ich mit gutem Leben. Dieses gute Leben ist wiederum nur dann gegeben, wenn wir unsere spezifisch menschlichen Fähigkeiten zur vollen Entfaltung bringen: Unsere Vernunftkräfte, unsere Fähigkeit zu denken, Erkenntnisse zu gewinnen und philosophische Einsichten zu formulieren. 

Die höchste Lebensform ist demnach das kontemplative Leben, das der Theoria, der Erkenntnis, gewidmet ist. Es ist das Leben, das viele Wissenschaftler, Philosophen, Schriftsteller und all jene führen, die ihr Leben der Ergründung der Welt, des Menschen und der letzten Dinge gewidmet haben.“

Auch Aristoteles hat in seinen Schriften immer wieder betont, dass Freundschaften für ein gutes Leben wichtig sind. Was hätte er darüber gedacht, dass heute Freundschaften virtuell gepflegt werden, das man Hunderte von Freunden bei Facebook haben kann? Möglicherweise hätte er geantwortet:

„Mir leuchtet das überhaupt nicht ein. Es geht doch nicht darum, möglichst viele Freunde zu haben, sondern möglichst gute Freunde – Menschen, mit denen man Ideale und Ziele teilt, auf die man sich aber auch in der Not verlassen kann, die einen ein Leben lang begleiten.

Geht es nicht vielmehr um die Qualität unseres Lebens, darum, ihm Sinn und Tiefe zu verleihen – und nicht um die mehr oder weniger planvolle Maximierung von Lusterlebnissen?" 

So oder ähnlich hätte sich möglicherweise Aristoteles, einer der einflussreichsten Philosophen der Geschichte, geäußert.

Um immer wieder Bezug zum guten Leben herzustellen, brauchen wir kleine Inseln der inneren Einkehr und Besinnlichkeit. Wirkliche Erfüllung finden wir dabei nur selten im Außen. Die wahre Schatzkammer ist in unserem Inneren verborgen.

Achten wir auf unsere Sehnsucht nach Ankommen, nach Innehalten, nach Heilung. Denn die Fliehkräfte des Lebens machen uns krank. Wir erleiden alle das Schleudertrauma unseres Lebensstils. Dagegen wirkt jede Kerze, die wir entzünden, beruhigend und konzentrierend auf uns. Sie ist mit ihrer lebendigen Flamme ein Symbol für die innerste Mitte, für die Vollkommenheit und Schönheit dieser Welt.

Die Frage nach dem Glück und dem guten Leben lässt auch folgende Antwort zu: „Glück“ ist kein Dauerzustand, sondern eher die kleine, stille Freude des Augenblicks. Der Tau frühmorgens auf den Feldern. Das Lachen eines Kindes. Das Zwitschern eines Vogels. Die Geborgenheit zu Hause. Eine gut und warm gefüllte Badewanne. Ein Sonnenstrahl. Freunde. Ein belebendes Gespräch über Gott und die Welt. Ein Glas guten Weins. Himbeereis. Reisen. Ein Moment, für den wir dankbar sind. Der unsere Seelen weitet. Ein offener Horizont. Eine Perspektive. Ein gutes Buch. Zwei zärtliche Hände. Zwei gütige Augen. Fünf Sinne. Zeit.

An diesen kleinen Freuden Gefallen zu finden, bedeutet, nicht umsonst gelebt zu haben. Und eine Antwort gefunden zu haben auf die Frage nach dem Glück und dem guten Leben. 

In herzlicher Verbundenheit 

Georg Rupp 


Die Gedanken zu Aristoteles sind angelehnt an ein Essay von Dagmar Borchers, Professorin für Angewandte Philosophie an der Universität Bremen. Titel: Zum Tee bei Aristoteles … Was ist gutes Leben? In: Publik-Forum EXTRA Leben, Dezember 2012.

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