Weblog

Der richtige Wunsch

Drucken Verfasst am 22.12.2013

Einst fand ein Fischer in seinem Netz eine Flasche mit einem Bleiverschluss. 

Er öffnete die Flasche und vor ihm erschien ein mächtiger Geist, der alle seine Wünsche erfüllen konnte.

Der befreite Geist sagte zu dem Fischer: "Du hast drei Wünsche, die ich dir erfüllen werde. Was ist dein erster Wunsch?"

Der Fischer dachte kurz nach, dann sagte er: "Ich möchte, dass du mir die Weisheit schenkst, um die richtige Wahl für die zwei anderen Wünsche zu treffen."

"Es ist schon geschehen," sagte der Geist. "Und was sind deine anderen Wünsche?"

Der Fischer wurde kurz still. 

Dann sagte er: "Ich danke dir. Ich habe keine weiteren Wünsche mehr."

Verfasser unbekannt

Wahre Helden

Drucken Verfasst am 05.12.2013

In alten Sagen, im Heldenepos, ist derjenige der Mutige, der in sich seine Zweifel besiegt und handelt.

Der Held wagt sich in Situationen hinein, in denen es keine Sicherheiten gibt, die noch niemand vor ihm ausprobiert hat. So war es mit Odysseus, so war es mit Kolumbus.

So war es auch mit Muhammad Ali bei einem seiner letzten Kämpfe, von dem ihm jeder abgeraten hatte, weil er angeblich zu alt für einen Siegertypen war. Er musste gewaltig einstecken – aber mit dem letzten Schlag schickte er seinen jüngeren Gegner entscheidend zu Boden. Das nennt man „Kämpferherz“.

Der Held ist der vom Bösewicht, das heißt, seinem Gegenspieler der Schattenwelt, in die Enge Getriebene. Man ahnt: Jetzt – oder nie. So in der Enge, so mit dem Rücken zur Wand… da muss der Held handeln. Jetzt muss er etwas machen, von dem er meist nicht weiß, ob es für ihn gut ausgeht. Es ist der „Showdown“ im Erfolgskino.

Oft geht es noch nicht einmal darum, in dieser Situation das Richtige zu tun, sondern darum, überhaupt etwas zu tun. Aber nur an einem gleichwertigen Gegner kann sich der Held beweisen.

Oftmals ist der größte Gegner – man selbst. Der größte Sieg ist deshalb oft der Sieg über die eigene Person, die eigenen Zweifel, die eigene Bequemlichkeit, die eigene Komfortzone.

Wer nichts tut, macht keine Fehler.

Ist das wirklich so? Gehören nicht die kleinen Verrücktheiten zum Leben? Geht es nicht darum, das Leben immer wieder neu zu erobern, sich Herausforderungen zu stellen? Und je größer das Hindernis, umso größer der Sieg, der Gewinn für uns?!

Keiner von uns muss als Held ins Guiness-Buch der Rekorde eingehen. Aber die Maßstäbe zu ver-rücken und aus dem Bauch heraus handeln… das zeichnet den Mut als Vorboten der Lebensfreude aus.

In herzlicher Verbundenheit

 Georg Rupp

 Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben

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Die Sprache der Liebe

Drucken Verfasst am 16.11.2013

Das Herz spricht leise, aber tausendfach intensiver als die Stimme, die Du kennst und täglich in Deinen Gesprächen gebrauchst. Die Stimme des Herzens kann wie Feuer sein, wie eine Glut, ein zündender Funke. Sie ist Zustimmung und Zuneigung. Die Sprache des Herzens ist die Sprache der Liebe. Sie führt Dich in eine unermessliche Tiefe, in das Heil Deiner Seele, in die raum- und zeitlose Erfahrung Deiner Selbst.

Die Sprache der Liebe kennt keine Begriffe wie Angst und Furcht. Sie urteilt und verurteilt nicht. Sie schöpft aus der Überfülle des Lebens. Sie ist die engste Verbindung zu Gott. Sie ist der vollständige Einklang mit sich selbst, mit dem Anderen, mit der Natur und allen Elementen. Das Eins-sein mit der göttlichen Schwingung.

In der Sprache des Herzens und der Liebe gibt es keine Fragen. Und es gibt keine Antworten. Es gibt nur eins: Das Hier und das Jetzt.

Ich bin.

Die Stimme der Liebe ist fraglos, geräuschlos – und doch so machtvoll. Sie drängt sich nicht auf. Besitzt andere nicht und gibt sich selbst nicht auf. Sie ist unangreifbar und führt keinen Kampf. Sie hadert nicht, sie überhöht und unterwirft sich nicht.

Sie ist.

Die Sprache der Liebe beansprucht nicht. Sie ist der Ausdruck reiner Seelentiefe und Harmonie. Eine Stimme tiefster Gewissheit: Alles ist eins. Es gibt keine Trennung. Weder zwischen Körper, Geist und Seele, noch zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Natur, Mensch und Gott.

In der Sprache der Liebe ist alles verborgen – und liegt alles offen. Wer die Stimme der Liebe wiederentdeckt, hat das Labyrinth seines Lebens durchschritten. Er ist zum Zentrum zurückgekehrt.

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

Aus: „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ von Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Auflage 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80 Euro)

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Umwege sind Meilensteine

Drucken Verfasst am 21.10.2013

Umwege sind oft Meilensteine auf dem Weg der Erfahrung und Erkenntnis.
Sind die Erfahrungen, die Du auf einem begradigten Flusslauf machen kannst, genauso vielfältig wie die Erfahrungen in den Windungen und Kehren eines natürlichen Flusses?

Der begradigte Fluss schwemmt Dich ohne Anecken, ohne Verwundungen, ohne Verweilen, ohne Innehalten an ein Ziel.
Bist Du dadurch reifer geworden?
Bist Du dadurch reicher geworden –
an Erfahrung, an Erkenntnis und Weisheit?
Wie geht es Dir am Ziel, wenn Du nicht eins bist mit allem, was Dich ausmacht, was Du bist?

Also, freue Dich über die Biegungen, die Kurven, die Tiefen und Strömungen Deines Lebensflusses und nimm sie dankbar an. Du kannst sicher sein: Umwege sind keine Irrwege.
Was Du als Umweg betrachtest, ist notwendige Voraussetzung für Wachstum und Reife des ganzen Menschen.

Ist das nicht Dein Lächeln, Deine innige Freude, Dein JA und Deine Liebe zu allem wert?

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

Aus: Georg Rupp „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ (ISBN 978-3938270028, Preis 29,80 Euro)

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Fortschritt in 5 Kapiteln

Drucken Verfasst am 16.09.2013

1. Ich gehe die Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich falle hinein. Ich bin verloren. Ich bin ohne Hoffnung. Es ist nicht meine Schuld. Es dauert endlos, um wieder herauszukommen.

2. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich tue so, als sähe ich es nicht. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. Aber es ist nicht meine Schuld. Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

3. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich sehe es. Ich falle immer noch hinein – aus Gewohnheit. Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin. Es ist meine eigene Schuld. Ich komme sofort wieder heraus.

4. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich gehe drumherum.

5. Ich gehe eine andere Straße.

Sogyal Rinpoche

gefunden unter: www.sinnige-geschichten.de

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Leonard Bernstein und der innere Wegweiser

Drucken Verfasst am 11.08.2013

Der berühmte amerikanische Komponist und Dirigent Leonard Bernstein („West Side Story“) wurde ein halbes Jahr vor seinem Tode von einem jungen Reporter gefragt, ob er denn in seiner Jugendzeit auch mal daran gedacht hätte, etwas anderes zu werden als Komponist und Dirigent:

„Haben Sie als Jugendlicher irgendwann einmal davon geträumt, einen anderen Beruf zu ergreifen?"
Daraufhin antwortete Mister Bernstein:
"Ich habe es immer gehalten mit einer alten Weisheit aus dem Zen, die besagt:

„Wenn Du die Frage stellst, ist die Antwort ...“

Dann sprach er in den Augenblick der Stille hinein – leise, aber betont, das entscheidende Wort: "...nein."
"Wenn du die Frage stellst, ist die Antwort – nein!?" wiederholte der Reporter irritiert. Es war ihm anzumerken – jede Nebelbank ist besser zu greifen als diese Aussage. 
Unbeirrt durch die spürbare Hilflosigkeit seines Gegenübers erläuterte der Maestro:
Wer wahrhaft liebt, der fragt nicht.
Er liebt ja aus ganzem Herzen.
Warum – und was – sollte er sich fragen?
Wer von einer Idee beseelt ist, der fragt sich nicht:
Ist das richtig?
Lohnt sich die Umsetzung?
Er ist erfüllt.
Er macht und handelt aus vollem Herzen.
Ich habe mich nie gefragt.
Also war es ein guter und richtiger Weg."

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp  

Aus: „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ – Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Auflage 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80€)

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Hand aufs Herz Eine kleine Einführung in die Körpersprache

Drucken Verfasst am 19.06.2013

Jubelnde Sportler legen ihre Hände nicht an die Hosennaht, sondern recken, strecken, werfen ihre Arme gen Himmel, ballen ihre Hand zur Faust und stoßen sie in die Luft. Manche jubeln auch so extrovertiert, dass sie den Maschendrahtzaun in der Fankurve anspringen. Dieses ekstatische Beispiel von Jubel sieht man des Öfteren beim Fußball. Möglicherweise würde dieses “Seht her, ich war’s!“ noch von einem tarzanmäßigen Klopfen auf die Brust begleitet werden, wenn sich der Fußballheld nicht mit beiden Händen am Zaun festhalten müsste.

Womit wir beim Thema Sternum wären. Es ist aus medizinischer Sicht das Brustbein des Menschen, welches sich in der Mitte Deiner Brust befindet. Berührst Du es, dann legst Du Hand an die Zentrale Deiner Gefühlswelt… ein erhebender Moment!

Warum aber sieht man so selten Menschen, die im lauten Jubel das Sternum einbeziehen? Lauter Jubel ist exzessiv, nach außen gerichtet. Wenn man die Welt umarmen kann, hält man nicht inne. Der Olympiasieger läuft nicht mit auf der Brust verschränkten Armen durchs Ziel.

Aber – kurze Zeit später, unmittelbar nach dem lauten Jubel, lässt sich diese Geste oft für einen flüchtigen Moment beobachten. Es ist die Geste, wenn man das Glück nicht fassen kann, Tränen des Glücks kommen wollen. Wenn man gerührt ist, eine stille, tiefe Freude spürbar wird. Dann allerdings greifen Sportler schon mal mit beiden Händen zum Sternum – als Zeichen inniger Gerührtheit. So wie Franziska van Almsick, die sich nach ihrem EM-Sieg in Weltrekordzeit – im wahrsten Sinne des Wortes – ans Sternum fasste.

Als Nena („99 Luftballons“) vor einiger Zeit im Fernsehen interviewt wurde, ob sie nicht auch – wie andere Großverdiener – lieber in Luxemburg oder in Monaco leben würde, antwortete sie: „Ich lebe gerne in Deutschland. Ich sage das mit Stolz und Liebe.“ Dabei legte sie für einige Sekunden ihre Hand aufs Sternum.

In innigen Szenen des Theaters, aber auch in der leichten und ernsten Muse des Gesangs, fällt diese Geste auf. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um seichte  Schlagertexte („Ich lebe so, wie ich bin ...“) handelt. um Hip-Hop („Ich habe dicke Pläne für mich ...“) oder um Arien („Dein ist mein ganzes Herz“) – der Griff ans Brustbein ist oftmals zwar flüchtig und unbewusst, aber deutlich wahrnehmbar.

Symptomatisch ist die Äußerung eines Bekannten, dem ich erstmalig von der Tatsache der Berührung des Sternums erzählte. Er erwiderte im Brustton der Überzeugung: „Das mache ich nicht!“ Beim Wort „ich“, schaute er an sich herunter. Zur eigenen Überraschung hatte er sich gerade auf das Sternum getippt.

Dieser Hinweis ist nicht auf das „Ich“ beschränkt.

Verzückung, Verklärung (wie in religiösen Darstellungen), Ergriffenheit, Enttäuschung, Gram, Freude, Glück, ebenso wie das Zusammenziehen bei der Angst... die Luft, die einem fehlt, wenn es einem den Atem verschlägt. Aber auch das stille Glück der Verliebten. Das Selbstbewusstsein, der Stolz auf die eigene Leistung.

Alles das, was uns mit unseren Licht- und Schattenseiten ausmacht, findet hier einen Resonanzboden. Schwingt in dieser Seelentiefe. Alles, was das Herz berührt, was es ängstigt und erfreut, findet hier, in diesem Punkt, seinen Widerhall.

Im Sternum ist das Leuchten der Seele, ist abgrundtiefe Trauer, ist das Scheitern wie auch der „Phoenix aus der Asche“, ist Zerfall und Auferstehung.

Das Sternum ist somit auch der Dreh- und Angelpunkt für die Vielschichtigkeit – und Einzigartigkeit – menschlichen Lebens. 

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp

Aus: „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ – Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Auflage 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80€)

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Eine alte Hindulegende

Drucken Verfasst am 27.05.2013

In einer alten Hindulegende wird berichtet, dass früher alle Menschen Götter waren. Die Menschen missbrauchten jedoch in einer furchtbaren Weise ihre Gottheit. 

Brahma, der Gott über den Göttern, beschloss den Menschen die göttliche Macht fortzunehmen und an einem für sie unauffindbaren Platz zu verstecken. Das große Problem war, ein geheimes Versteck zu finden.

Als Brahma die Mitgötter zusammenrief, um dieses große Problem zu lösen, machten sie folgenden Vorschlag: 

„Lasst uns die Gottheit des Menschen in der Erde verbergen.“

Brahma antwortete: „Nein, dies genügt nicht! Der Mensch wird graben und die Gottheit wiederfinden.“ 

Da machten die Mitgötter einen anderen Vorschlag:

„Dann lasst uns die Gottheit in der tiefsten Tiefe des Ozeans versenken.“

Brahma antwortete auf diesen Vorschlag:

„Früher oder später wird der Mensch auch die Tiefen aller Ozeane entdecken, dann wird er seine Gottheit wiederfinden und an die Oberfläche holen. Auch dieses Versteck ist nicht sicher.“

Wieder überlegten die Mitgötter, wo denn die Gottheit des Menschen sicher verborgen werden könnte. Schließlich schlugen sie dem Brahma vor: 

„Lasst uns die Gottheit in die entferntesten Entfernungen des Universums verbannen, von dort kann sich der Mensch die Gottheit nicht zurückholen.“

Brahma hörte sich geduldig an, was seine Mitgötter ihm vortrugen. Dann antwortete er: 

„Der Tag wird kommen, an dem die Menschen das All erobern und die Gottheit wieder an sich nehmen. Auch das Universum ist als Versteck nicht geeignet.“

Da wussten die Mitgötter keinen Rat mehr:

„Wo können wir die Gottheit verstecken? Es gibt weder auf der Erde, in den Meeren noch im ganzen Universum einen Platz, wo der Mensch sie nicht finden wird.“

Brahma in seiner unendlichen Weisheit sprach:

„Seht, was wir mit der Gottheit des Menschen machen! Wir verstecken sie im Tiefsten von ihm selbst, denn das ist der einzige Platz, an dem er nie danach suchen wird.“

Seit dieser Zeit – so schließt die Legende – hat der Mensch die Welt erobert, hat sich aufgemacht, das Universum zu entdecken, ist getaucht, geflogen und hat gegraben, um etwas zu suchen, das nur in ihm selbst zu finden ist.

Nach einem Text von Eric Butterworth

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Was haben Diamanten und Menschen gemeinsam? Eine kleine Philosophie der Ausstrahlung

Drucken Verfasst am 07.05.2013

Diamanten, so sagt ein Lied, sind die besten Freunde einer Frau. Das wurde schon aus berufenem Munde besungen. Und deshalb liegen sie manchmal strahlend rein oder bedeutungsschwer unter dem Weihnachtsbaum. Auch wir Männer können von Diamanten einiges lernen:

Diamanten sind 

  • vor 2 Milliarden Jahren
  • in 200 km Tiefe
  • bei 1250° Celsius
  • und ca. 70000 Druckatmosphären
  • aus reinem Kohlenstoff entstanden.

Sie brauchten eine lange, eine sehr lange Zeit, nämlich fast 2 Milliarden Jahre, bis sie durch vulkanische Eruptionen an die Oberfläche gelangen konnten. Die ersten Diamanten wurden ca. 800 vor Christus in Indien entdeckt.

Es braucht also Druck, Hitze, Energie und Geduld, um die absolute Klarheit, Schönheit und Brillanz zu erlangen, um aufzusteigen in das Licht des Tages, in die Bewunderung und in die Faszination. Soweit zur Entstehung.

Auch unser Herz ist wie ein Diamant.

Auf geistig-seelischer Ebene bedeutet das: Auch die Qualität unseres Herzens, unser inneres Feuer, braucht eine Zeit der Entwicklung, der Reife, bis die Essenz, unsere eigene Faszination, spürbar wird.

Wie wird ein Rohkristall zum Diamanten?

Auf uns bezogen: Wie bekommen wir Ausstrahlung und Charisma?

Schauen wir uns den Diamanten an: Jeder Diamant will ganz individuell behandelt werden, sonst sperrt er sich. Mit anderen Worten: Wir müssen die Struktur eines Diamanten genau lesen können.

Der deutsche Mystiker und Benediktinerpater Willigis Jäger sagt: In jedem Roh-Diamanten wohnt ein Schmetterling, den wir freisetzen müssen. Dieses Bild zeigt uns:

Wenn wir Menschen zu unserer Essenz kommen wollen, zur wahren Tiefe unserer Talente und zur Größe unserer Fähigkeiten, müssen wir nichts hinzufügen. Ganz im Gegenteil: Wir müssen etwas wegnehmen! Wir müssen etwas verlieren, um etwas zu gewinnen.

Ein Meister des „Wegnehmens“ war der weltberühmte Künstler Michelangelo Buonarroti. Michelangelo, das große Genie, saß vor dem Marmorblock und begann die Skulptur des Davids zu gestalten. Nach der Vollendung seines Werkes, bewundert von seinen Zeitgenossen, sprach er: Ich sah im Marmorblock schon zu Beginn den David in seiner ganzen Anmut und Gestalt. Ich musste nur wegnehmen, was nicht David war.

Ähnlich verhält es sich mit dem Gleichnis vom Rebstock – Johannes, Kapitel 15. Dort heißt es sinngemäß: Die Zweige, die keine reiche Frucht tragen, schlage sie ab. Dann kann alle Kraft in die Mitte, in den Stamm fließen, und der Rebstock wird – aus seiner Mitte heraus – viele und reiche Früchte tragen.

Heißt das nicht für uns als Konsequenz:

Vom Rohkristall zur Entwicklung unserer wahren Fähigkeiten kommen wir nicht, indem wir hinzufügen, sondern indem wir wegnehmen, indem wir uns konzentrieren. Indem wir loslassen und entfernen, was uns daran hindert, unsere ganz individuellen Qualitäten voll und ganz zu entfalten. Dies ist nur möglich durch Hingabe und Konzentration auf das, was jedem eigen ist, was jeder in unverwechselbarer Weise leben und geben kann.

Dabei ist eines ganz klar:

Du kannst nur geben, was Du besitzt.

An einem Apfelbaum kann keine Zitrone wachsen. Es geht also nur mit der eigenen Persönlichkeit, nicht gegen sie.

Der Diamant kann nur entlang seiner Kristallstruktur (= Veranlagung) verändert werden. Diamantenschleifer wissen: Ein Diamant „schreit“, wenn er gegen seine Struktur bearbeitet wird.

Menschen, ein Team, eine Gesellschaft, können gegenseitig und füreinander „Diamantenschleifer“ sein. Ein Diamant muss den anderen bearbeiten. Beide reiben sich aneinander, damit sie in eine Form geraten, in der beide Ausstrahlung erlangen.

Seien wir also – im besten Sinne des Wortes – „Schleifer“ füreinander. Helfen wir uns gemeinsam, an der richtigen Stelle, mit nie nachlassendem Mut und mit Herzlichkeit, unsere Talente auszuformen und zum Kern unserer Fähigkeiten zu gelangen. Aber merken wir uns auch: Aus einer Orange kann man keinen Pfirsichsaft pressen.

Wenn der Ältere dem Jüngeren, der Kreative dem sorgfältigen „Arbeiter“, der Gefühlsbetonte dem Verstandesmenschen (und umgekehrt) mit Rat und Tat, mit „Schleifstein“ und Herzlichkeit, mit Förderung und Forderung zur Seite steht, werden wir unser inneres Licht, unseren innewohnenden „Diamanten“ nach außen tragen und erstrahlen lassen können.

Nur wenn wir von innen strahlen, haben wir Ausstrahlung. Nur dann können wir andere für uns einnehmen und für das, was uns am Herzen liegt: Die Lebensfreude, die Kultur, die Freundschaft und die Dankbarkeit. 

Hätten Sie gedacht, dass wir von einem Diamanten soviel lernen können?

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp

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Gönne Dich Dir selbst

Drucken Verfasst am 23.04.2013

Wo soll ich anfangen?

Es ist viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem Du nicht landen willst. Du fragst: „An welchen?“

An den Punkt, wo das Herz hart wird.

Wenn also alle Menschen ein Recht auf Dich haben, dann sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat.

Warum solltest einzig Du selbst nichts von Dir haben? Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selbst? Ja, wer mit selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?

Denk‘ also daran: Gönne Dich Dir selbst.

Ich sage nicht: „Tu das immer.“ Ich sage nicht: „Tu das oft.“

Aber ich sage: „Tu das immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“

Bernhard von Clairvaux (1090-1153) in einem Brief an Papst Eugen III.

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Wie Gefühle entstehen oder: Was wir von den Stoikern lernen können

Drucken Verfasst am 09.04.2013

Das scheint doch ziemlich klar zu sein. Wenn mich jemand beleidigt, bin ich verletzt. Wenn ich gelobt werde, freut mich das. Wenn in China ein Sack Reis umfällt, lässt mich das kalt.

Gefühle in mir entstehen anscheinend durch bestimmte Personen oder äußere Ereignisse. Von außen eben. Davon gehen die meisten Menschen aus.

Ja, dann kann man in der Tat nichts machen. Dann sind Gefühle eben Produkte der Außenwelt. Wir können uns nicht selber steuern, sind somit den Verhaltensweisen und dem Wohlwollen unserer Umwelt völlig ausgesetzt.

Wenn Du jetzt denkst: „Das kann doch wohl nicht wahr sein?!“ ... dann liegst Du richtig. Es ist genau andersherum.

Wenn A zu B sagt: „Du hast wohl nicht alle Tassen im Schrank!“ hat diese Aussage niemals unmittelbare Auswirkungen auf das Gefühl von B. Warum?

Vorher finden zwei Prozesse statt:  

B
muss die Aussage von A erst einmal wahrnehmen. Also hören, was A gesagt hat. Ist B taub, muss er bzw. sie die Bemerkung von den Lippen ablesen können.

Wenn Du in Kanada in Urlaub bist, und hinter Dir steht ein Grizzly-Bär, den Du nicht wahrgenommen hast, hast Du keine Angst. Wenn Du aber weißt, wie Grizzly-Bären riechen – und Du bekommst einen gewissen Geruch in die Nase ... dann ...  

Was gehört also dazu, ein Gefühl zu entwickeln?

Du musst auf irgendeinem Sinneskanal etwas Bestimmtes wahrnehmen. Das aber löst immer noch kein Gefühl aus. Es fehlt nämlich noch eine wichtige, zweite Komponente.  

Hierzu ein Beispiel:
Wenn Du einem kleinen Kind, altersentsprechend, eine Lichtquelle zeigst, und dieses Zeigen mit dem Wort „Lampe“ verbindest, wird es in kurzer Zeit zu vergleichbaren Gegenständen auch sagen: „Lampe“.  

Warum? Es assoziiert. Es bewertet.
Diese Bewertung ist Teil eines kognitiven, mentalen Prozesses: Das, was ich wahrnehme, formt sich in meinem Kopf, in meinem Verstand, zu einer von mir so gesehenen Geschichte.   Jeder kennt das Beispiel von der halbgefüllten Flasche: Ist sie noch halbvoll – oder schon halbleer? Was ist sie tatsächlich? – Sie bleibt halbgefüllt. Ob ich sie als „halbvoll“ oder als „halbleer“ betrachte, ist Folge meiner Bewertung.  

Das, was ich über eine Situation, über eine Aussage, über ein Ereignis denkedas entscheidet über das Gefühl, das ich in Bruchteilen einer Sekunde später in mir empfinde.  

Woher kommen die unterschiedlichen Bewertungen?
 

Jeder Mensch ist anders – und denkt anders. Die Art und Weise, wie ich über bestimmte Dinge denke, wird von meiner eigenen Lebensgeschichte beeinflusst – und davon, wie ich mich heute, jetzt, in diesem Augenblick, fühle: Kann ich heute Bäume ausreißen? Oder fühle ich mich schlapp und ausgelaugt? Wirken sich Medikamente aus, habe ich Alkohol getrunken, ist mein Biorhythmus oben oder unten? Stehe ich eine Woche im Dauerregen oder tanke Licht und Wärme?  

Was alles auf mich einströmt, beeinflusst ebenfalls meine Gedanken über die momentane Situation, in der ich mich befinde.  

Wenn A also sagt: „Du hast nicht alle Tassen im Schrank!“ ... und mir schießt möglicherweise – ganz unbewusst – mein Vater durch den Kopf, der, als ich Kind war, mit erhobenem Zeigefinger vor mir stand und wütend ausrief: „Bist Du noch recht bei Trost?!“ ... dann spürst Du wahrscheinlich unmittelbar dieses flaue Gefühl im Magen – so, wie damals.  

Wirklich „unmittelbar“?   Nicht wirklich: Du entscheidest über die Art und Weise, wie Du jetzt, in diesem Moment, über Deine damalige Situation denkst – und was Du jetzt, in diesem Augenblick, über die Person A denkst. Deine Entscheidung, wie Du jetzt, in diesen Sekundenbruchteilen, bewusst und unbewusst denkst, damit – und nur damit – löst Du Dein Gefühl in diesem Augenblick aus.  

Das heißt also: Du – und nur Du – bist der Meister Deiner Gefühle. Du entscheidest, ob Du Dich jetzt gut oder schlecht fühlst. Denn Dein Gefühl ist Ausdruck Deiner Bewertung, Deiner Sichtweise der Dinge.  

Das klingt hart. Denn es lässt keinen Ausweg zu, den anderen Menschen, die Umstände, die Politiker, die Religionsgelehrten oder den Nachbarn für Deine Gefühle verantwortlich zu machen. Wenn das so wäre, wärest Du das Opfer. Das mag bequem sein, aber: Willst Du wirklich „Opfer“ sein? Oder willst Du Dein Leben, willst Du Deine Gefühle, Deine Sichtweise der Welt, selber bestimmen?  

Sei Dir bewusst: Alles, was Du fühlst, geht durch den Filter Deines Denkens, Deiner inneren Selbstgespräche.  

Es gibt nur wenige Ausnahmen:
Wenn Du mit nackten Füßen in eine Glasscherbe trittst, hast Du ein Schmerzgefühl, ohne vorher gedacht zu haben. Wenn Du Dir harte Drogen einwirfst, hast Du bestimmte Gefühle, möglicherweise den „Horrortrip“, ohne vorher Entsprechendes zu denken. Wenn Du in einer endogenen Depression steckst, die durch Stoffwechselstörungen, das heißt durch Substanzverluste im Gehirn, zustande kommt, kannst Du Dich auf einen Schlag niedergeschmettert fühlen, ohne vorher etwas Negatives gedacht zu haben.  

Aber – in fast allen anderen Fällen ist Deine Art des geistigen Umgangs mit den Dingen des Lebens entscheidend für das Gefühl, das Du wählst. Ja, Du wählst Dein Gefühl. Spürst Du, welche Macht Du hast?    

Früher war es allgemeiner Sprachgebrauch, von einem Menschen, der ganz in sich gesammelt war, zu sagen: „Der hat eine stoische Ruhe.“ Junge Leute kennen den Begriff heute kaum noch.  

Die „stoische Ruhe“ kommt von den Stoikern. So hießen die Mitglieder einer Philosophenschule, der Stoa, die ca. 300 vor unserer Zeitrechnung in Athen gegründet wurde, ihre größte Ausstrahlung aber in Rom zur Zeit um Christi Geburt besaß. Bekannte Stoiker waren Marc Aurel, Seneca, Epiktet und andere.  

Die Stoiker legten großen Wert darauf, ihr Leben selbst zu bestimmen. Das heißt also auch, für ihre eigenen Gefühle verantwortlich zu sein.  

So brachten sie beispielsweise ihren Kindern schon frühzeitig bei, dass jeder Mensch über sie denken könne, was er wolle. Wenn Du aber – quasi mit der Muttermilch – schon jedem anderen die Freiheit gibst, über Dich denken zu können, was er will ... was geschieht dann, wenn später jemand zu Dir sagt: „Du hast wohl nicht alle Tassen im Schrank!“?
Jeder kann über Dich denken, was er will! Also kannst Du freundlich bleiben und, wenn es Dich interessiert, lächelnd erwidern: „Mein Freund, dann sag mir mal: wieso?“  

Der Stoiker Marc Aurel sagte: „Die Welt ist das, was unsere Gedanken aus ihr machen.“ So, wie Du denkst, wirst Du Dich fühlen. Es steht Dir frei.  

Dies ist allerdings kein Plädoyer für das oft propagierte „positive Denken“.  

Positives Denken
hat nur dann Sinn, wenn Du wirklich im tiefsten Inneren von dem überzeugt bist, was Du denkst. Es wird Dir nichts nützen, zu denken: „Ich fühl mich von Tag zu Tag immer besser und besser,“ wenn Du Dich gleichzeitig alt und ausgebrannt fühlst. Entscheidend ist immer, ob Du wirklich daran glaubst, was Du denkst. Im Englischen spricht man von „beliefs“, von Gedanken, an die ich glaube.  

Die Stoiker haben es uns vorgelebt: Für die Gelassenheit und Ruhe im Augenblick, für die Annahme dieses Lebens, für das Gefühl, mit dem wir jeden Morgen aufstehen und uns durch den Tag bewegen, sind weitestgehend wir selbst verantwortlich. Das macht uns so reich an Einflussmöglichkeiten über uns und unser Leben.  

Natürlich sind die Zeiten heute andere als zur Blütezeit der Stoa. Aber dennoch: Warum sollten wir die Macht über unsere Gefühle aus der Hand geben, wenn wir sie durch unser Denken beeinflussen und steuern können?    

Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über Deinem Haupt fliegen, kannst Du nicht ändern. Doch kannst Du verhindern, dass sie Nester in Deinem Haar bauen.“

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp

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Mut wächst mit dem Beginnen

Drucken Verfasst am 25.03.2013

Ein schönes Beispiel dafür, dass es keine Altersgrenze gibt, mehr Mut im Leben zu entwickeln, zeigt folgende Geschichte:

Eine 75-jährige Dame, teilweise gelähmt und auf eine Gehhilfe angewiesen, war Teilnehmerin an meiner experimentellen Untersuchung zur „Sozialen Kompetenz im Alter“. Zur Verbesserung der inneren Selbstgespräche und zum Aufbau von Mut und Selbstvertrauen hatte sie den Satz „Ich schaff es schon!“ durch verschiedene Methoden im Unterbewusstsein verankert.

Ein halbes Jahr nach Ende des Kurses sah ich sie wieder. Ich fragte sie: „Was macht Ihr Satz: Ich schaff es schon!?“
Darauf antwortete sie: „Der heißt nicht mehr „Ich schaff es schon!“ Der heißt nur noch „Schaffscho!“

„Was heißt denn „Schaffscho“?“
 „Also,“ lächelte sie, „es war ein schöner Sommertag. Ich bin spazieren gegangen und habe mich an der Natur und an der Sonne erfreut. Auf einmal stellte ich fest: Du bist ja so weit weg von Zuhause wie seit Jahren nicht mehr. Da bekam ich einen Schreck. Aber aus meinem Inneren kam der Satz: Ich schaff’ es schon. Diesen Satz hatte ich ja gelernt! Und im Nu hatte ich keine Angst mehr. Ja, und dann habe ich mir vorgestellt: Du bist eine alte Dampflokomotive! Aber die hat ja Kraft, die kann ja ziehen ... und dann bin ich einfach „angefahren“ – so, wie die Dampflok immer schneller fährt: Ich schaff es schon, ich schaff es schon, ichschaffesschon, ichschaffschon, schaffscho, schaffscho, schaffscho ...
Was soll ich Ihnen sagen – mir ist noch nie ein Weg so leicht gefallen wie dieser.“

Das „Schaffscho“ war also die Verkürzung des Ausgangssatzes, bei dem die ältere Dame die Bewegung der Pleuelstangen, die die Räder der Dampflok verbinden, immer schneller nachahmte.

Ein halbes Jahr später traf ich sie zum letzten Mal. „Na, was macht denn Schaffscho?“
„Brauch‘ ich nicht mehr,“ antwortete sie verschmitzt, „ich mach‘ jetzt nur noch ... so!“ Und dabei stieß sie ihre beiden Fäuste kurz nach vorn. Das war die verkürzte Bewegung der Pleuelstangen. Die ältere Dame hatte ihren Anker immer weiter reduziert auf eine kurze Armbewegung hin.
„Wissen Sie was, Herr Rupp, Sie können es mir glauben oder nicht ... wenn ich so mache, also kurz beide Fäuste nach vorne stoße, bin ich topfit!“

Ich finde es einfach toll, wenn Menschen es sich selbst wert sind, immer weiter und weiter an sich zu arbeiten, neue Dinge zu erfahren, und ihren Mut und Glauben an sich selbst immer wieder aufs Neue zu erproben.

Diese experimentelle Untersuchung zum Thema „Soziale Kompetenz im Alter“ mit über hundert allein lebenden Frauen über 60 Jahren zeigte, dass auch ältere Menschen erstaunlich viel Selbsthilfepotential aktivieren können. Mehr Mut und gesteigertes Selbstvertrauen führten zu eindeutigen Verbesserungen. Sie litten weniger an Depressionen, knüpften leichter Kontakte, lernten „nein“ zu sagen und konnten sich im Alltag besser durchsetzen.

Aus: „Das Sternum Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ (ISBN: 978-3938270028).

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Augen-Blicke

Drucken Verfasst am 18.03.2013

Es gibt soviel Güte und Wärme zu entdecken, dass wir, wären wir nicht so blind, einen unermesslichen Reichtum einatmen könnten.

Dies gilt nicht nur für Verliebte, die sich nicht satt sehen – oder, sagt man nicht besser: satt trinken? – können an und in den Augen des Anderen, die sich in ihrer Verliebtheit in den funkelnden und strahlenden Augen-Blicken des geliebten Partners unsterblich wiederfinden …

Augen sind das Spiegelbild der Seele. Manche Augen-Blicke vergisst man sein Leben lang nicht.


Mindestens einmal im Jahr entrinne ich der Hektik des Alltagslebens, indem ich die Benediktiner-Abtei St. Josef in Gerleve bei Münster aufsuche. In diesem Kloster habe ich mich seit jeher wohlgefühlt.
Als ich zum erstenmal diesen Weg zur Innerlichkeit suchte, wurde ich auch dem Abt des Klosters vorgestellt. Dies geschah kurz vor dem gemeinsamen Mittagsmahl, als alle Patres und Fratres in demütiger Ordnung und schweigend vor dem Abt in die Mensa, den Speisesaal, schritten.

Abt Clemens hatte die Augen als Zeichen seiner inneren Sammlung und Kontemplation niedergeschlagen.


Kurz vor dem Erreichen der Türe unterbrach der Gäste-Pater sein andächtiges Schreiten: „Darf ich Ihnen vorstellen: Herr Rupp, ein neuer Gast.“

Was nun geschah, bleibt für immer in meinem Herzen verankert.

Abt Clemens hob seinen Kopf und änderte mit dem ersten Augen-Blick, der meine Augen berührte, auch seine innere Haltung. Im Bruchteil einer Sekunde traten seine Augen aus der Versenkung heraus und nahmen mich, den Fremden, erstaunt und liebevoll wahr. Auf eine Weise wahr, als könne man einen inneren Schalter betätigen, mit der das Licht in den Augen, „angeknipst“ würde. Von einem auf den anderen Moment stand ich im Licht seiner Augen.

Als sich seine Augen weit öffneten, und für etliche Sekunden in den meinen verweilten, strahlten sie eine Liebe und Güte aus, die mir in meinem ganzen Leben von einem Unbekannten noch nie zuteil wurden.

Das irritierte und veränderte zur damaligen Zeit alles, was ich über Körpersprache, über die psychologischen Momente eines ersten Aufeinandertreffens, gehört, gelesen und erfahren hatte. Wie kann ein Fremder einem Fremden auf diese Weise begegnen?  Wie kann ein Mensch, der den anderen nicht kennt, ihn noch nie gesehen hat, ohne ihn den Bruchteil einer Sekunde abzuschätzen, einzuschätzen, eine solche Liebe verströmen?

Ich war bis ins Mark getroffen. Womit hatte ich eine solche Liebe und Güte verdient?

Ich hatte doch nichts geleistet, ich war doch gerade erst … hier! Ich bin doch nur – da! Ein „normaler“ Mensch, der nichts Außergewöhnliches vorweisen kann.

In diesen Sekunden, in denen sich unsere Blicke – nein, unsere Herzen trafen, wurde mir schlagartig bewusst: Wir alle sind Teil einer großen, ewigen Seele, die uns alle vereint. Die uns nicht trennt, die uns alle teilhaben lässt an dieser einzigen,  großartigen göttlichen Symphonie.  

Als seine weiten, offenen Augen mir diese Liebe sandten, wurde mein Weltbild erschüttert. Freiheit und Abgrenzung waren mir bis zu diesem Zeitpunkt das Wichtigste im Leben. Jetzt, in diesem Moment, in diesem Augen-Blick, wurde tief in mein Herz geschrieben: Liebe, Demut und Weisheit sind die wichtigsten Gaben, die Gott uns auf den Weg gegeben hat.  

Als sich seine Augen nach vielen Sekunden, die mir wie eine kleine, kostbare Ewigkeit vorkamen, wieder nach innen kehrten, und er seinen Weg in den Saal fortsetzte, war mir bewusst: Ich wurde reich beschenkt.  

Kein einziges Wort wurde gewechselt, kein Zeichen war nötig außer diesem Leuchten der Augen, das dem Leuchten der Seele entspringt.  

Später habe ich mich mit den Regeln des Heiligen Benedikt befasst. So konnte ich dankbar nachvollziehen, was geschehen war. Wie in den Regeln steht, soll auch der Abt sich jedem Gast „zu Füßen werfen“, da ihm in Gestalt eines Fremden Jesus Christus selber begegnet.  

Was ich zutiefst erfahren habe: Es gibt kurze, unauslöschliche Augen-Blicke im Leben, die Botschaften des Himmels sind.  

Und: Die wahren Werte des Menschseins sind tief in den Schatzkammern unserer göttlichen Seele geborgen. 

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp

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Der Erleuchtungsteppich

Drucken Verfasst am 13.03.2013

Einmal im Monat treffen wir uns zu einem philosophisch-spirituellen Abend. Der Abend, an dem ich den „Erleuchtungsteppich“ kennen lernte, war ein ruhiger Spätnovembertag. Wir saßen im Wintergarten zusammen. Draußen steht ein knorriger Walnussbaum, dessen Früchte Herbst für Herbst die Eichhörnchen einsammeln, im Schein einer Außenleuchte. Leicht entrückt schaute ein Freund unentwegt nach draußen.

Was keiner von uns bemerkt hatte, formulierte er zwei Stunden später wie folgt: „Ich schaue die ganze Zeit auf die zwei Blüten zwischen Lichtquelle und Baum.“ Wir alle hatten sie nicht wahrgenommen, nicht beachtet, oder nicht wertgeschätzt. Zwei wunderschöne blaue Blüten gegen Ende November, draußen, wo die Natur sich auf den Winter eingerichtet hat.

Unser Freund fuhr fort: „Das sind für mich „Erleuchtungspunkte“. Mein Zen-Lehrmeister spricht immer von Erleuchtungsknoten. Er sagt: Sei achtsam und entdecke die kleinen Dinge des Alltags. Nimm alles das, was Dich erfreut, was Dein Herz beseelt, Dich lächeln oder staunen lässt, als einen Erleuchtungspunkt in Deinem Leben an. Knüpfe jeden Erleuchtungspunkt in die Grundlage, die Grundausstattung Deines Lebens ein. So entsteht im Laufe der Zeit Dein ganz persönlicher Erleuchtungsteppich. Knoten für Knoten entsteht das Muster Deines Lebens. Sei achtsam, und Du wirst im Hier und Jetzt viele Erleuchtungspunkte finden, die Dich das Leben mit anderen Augen und einem erfüllten Herzen sehen lassen.“

Die beiden zarten Blüten, die unser Freund achtsam wahrnahm, waren zwei Blüten des blauen Eisenhuts (lateinisch: Aconitum napellus), die er nun in seinen Erleuchtungsteppich einknüpfen konnte.   Das alles beeindruckte uns sehr, und wir fragten ihn, wie er denn im Alltag so viele Erleuchtungspunkte finden könne, dass am Ende seines Lebens ein stattlicher Erleuchtungsteppich gewebt sein könnte.

Darauf erwiderte er: „Jeden Morgen, schon bevor ich zum Dienst gehe, nehme ich mir vor, fünf Erleuchtungspunkte zu sammeln. Das kann der Morgentau auf den Feldern sein, eine Blume am Wegesrand, ein Sonnenstrahl, der scherenschnittartige Schatten wirft, ein wundervoller Gedanke, ein Gebet, eine harmonische Melodie, das Lachen eines Kindes auf dem Weg zur Schule, die Stille eines Augenblicks. Es gibt soviel zu entdecken, was unser Leben bereichert. Wir müssen nur hinschauen. Erleuchtungspunkte gibt es ohne Zahl.“

In herzlicher Verbundenheit

Georg Rupp 

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Die Reise zum verletzten inneren Kind

Drucken Verfasst am 12.03.2013

Stell Dir vor, Du sitzt in einer lauen Sommernacht an einem Strand. Über Dir der leuchtende Sternenhimmel.

Und während Du da sitzt und schaust, entdeckst Du am Nachthimmel einen Stern, der heller leuchtet als die anderen. Während Du schaust, wird die Intensität, mit der er sein Licht verbreitet, immer größer.
Du spürst – soweit er von Dir auch entfernt sein mag –, dass er Dir mit seinem Strahlen immer näher kommt. Ja, jetzt strahlt er mitten in Dein Herz.

In dieser Verbindung schenkt er Dir die Kraft und erleuchtet Dein verborgenes Inneres.

Am nächsten Morgen machst Du Dich auf eine Wanderung. Es zieht Dich in die Nähe eines Berges. Du gehst über sehr viel Geröll… Deine Füße spüren jeden Stein, auf den Du trittst. Trotz dieser Schwierigkeiten steigst Du weiter den Berg hinauf bis zu einer Ebene unterhalb des Gipfels. Du bist jetzt auf einer Wiese angekommen und legst eine Pause ein.
Du siehst Blüten, die sich sanft im Wind bewegen. Nicht weit entfernt nimmst Du raue und verdorrte Pflanzen und Gewächse wahr.

Gewachsenes und Zerfallenes an diesem Berg, auf dessen Weg zum Gipfel Du Dich jetzt gerade befindest.

Auf einmal wird Deine Aufmerksamkeit auf etwas gelenkt, was Du hier, an dieser Stelle Deiner Wanderung, nicht erwartet hast: Etwas, das sich anhört, als ob ein Kind ganz leise, fast stumm, vor sich hin leidet und weint. Du gehst diesem leisen Wimmern nach – und jetzt siehst Du dieses Kind. Ängstlich und traurig, eingewickelt in eine Decke. Unter seinen Windeln trägt es viele Verwundungen, Narben und Verletzungen. Wie oft schon ist es lieblos behandelt worden, hat Entbehrungen erlitten, keine Geborgenheit verspürt.

Und wie Du es betrachtest, wird Dir bewusst, dass dieses Wesen Dein eigenes inneres verletztes Kind ist. Das innere Kind in Dir, das Du so oft nicht wahrgenommen hast, weil Dir die Kraft fehlte und Du lieber weggesehen hast, um Dein eigenes Leid nicht wahrnehmen zu müssen.

Jetzt aber spürst Du wieder die Verbindung zum Stern, der in jener Nacht am leuchtenden Sternenhimmel immer heller strahlte und Dein Herz zum Leuchten brachte.

Berührt von diesem inneren Leuchten traust Du Dich jetzt, dieses verletzte innere Kind behutsam in Deine Arme zu schließen.

Du trägst es auf Deinen Händen zu einer sprudelnden Quelle ganz in der Nähe. Du spürst Deine Bereitschaft, für dieses innere Kind die Verantwortung zu übernehmen. Aus der Quelle sprudelt heilendes Wasser, das Du nun über alle seine Verletzungen träufelst.

Es schaut fast ein wenig erstaunt, und Du empfindest intensiv, wie Du ab jetzt Dein inneres Kind nähren kannst. Ihr werdet nun miteinander den weiteren Lebensweg bestreiten. Du begleitest Dein inneres Kind zu einem kleinen Bächlein, das aus der Heilquelle entspringt und in kleinen Kaskaden bergabwärts fließt.

Mit leichtem Herzen geht Ihr zu zweit den Weg vom Berg wieder ins Tal zurück.   Geh eine Weile diesem Gefühl nach, Dein ängstliches, verletztes inneres Kind entdeckt, angenommen und geheilt zu haben. Spüre eine Zeitlang hinein, welche Gefühle Dich auf diesem Weg begleiten – zu dieser Phase Deiner Reise, ganz im Hier und Jetzt.

Und während Ihr zwei gemeinsam und unzertrennlich wieder am Ausgangspunkt, am Strand, angekommen seid, sendest Du einen dankbaren Gruß zu jenem Stern, der immer heller geleuchtet hat, bis er seine Strahlen mitten in Dein Herz aussenden konnte.

Das Bächlein aber ergießt sich in die Weite des Meeres und nimmt den Rest aller Verwundungen, Narben und Verletzungen mit sich. Alles Heilsame durchströmt Deine Zellen und lässt tiefen inneren Frieden in Körper, Geist und Seele einkehren. Jetzt und für alle Zeit.

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp 


Imaginationsübung nach einer Idee von Dieter Hoff (Diplom-Psychologe, Münster)

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Loslassen? Sein lassen…

Drucken Verfasst am 12.03.2013

Bis vor einiger Zeit sprach ich immer – wie es auch bei vielen anderen Autoren zu lesen ist – von „Loslassen“. Wer loslässt, hat die Hände frei. Mir ist aber klar geworden, dass „Loslassen“ mit Kraftaufwand zu tun hat. Es ist wie dieses Tau in meinen Händen, das ich festhalte und meine Haut verletzt, sobald ich es durch meine Hände gleiten lasse. Veränderung, Wandlung geschieht weniger durch Kraftaufwand, sondern „geschieht“ im Vertrauen darauf, dass mein Herz meine Sehnsucht kennt und weiß, wo das Land meiner Bestimmung liegt.

Statt des Begriffes „Loslassen“ habe ich die beiden Worte „Sein lassen“ sehr schätzen gelernt. Sein lassen. Let it be – wie es die Beatles besangen.

„Sein lassen“ klinkt unangestrengt, fast mühelos. Einfach sein lassen… Die „Brüllaffen“ des Lebens hinter sich lassen. Sich von der Sprache des Herzens führen lassen. Sich öffnen. Vertrauen. Lieben.
„Sein lassen“ heißt, dem Seelenfrieden Raum zu schenken. Zu atmen. Tief zu atmen. Den offenen Raum in sich zu spüren. Im „Sein lassen“ das Eins-sein erahnen. Das hat für mich etwas von gelebter (und geliebter) Mystik.

Was will jetzt, im „Sein lassen“, gelebt werden? Ist es die Sehnsucht, der Aufbruch, die Wandlung?

Draußen im Garten haben die Forsythien zu blühen begonnen, heute legt sich ein leichter Schneeregen darüber. Die Neugeburt der Natur, Wandlung und Aufbruch, die Ouvertüre des Frühlings… Wir sollten die Angst vor den Häutungen des Lebens „sein lassen“. Wer reifen will, hält nicht fest.

Lassen wir es „geschehen“. Genießen wir das Hier und Jetzt. Öffnen wir uns dem wichtigsten: der Weisheit eines authentischen Lebens.

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp  

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Normal ver-rückt

Drucken Verfasst am 07.03.2013

Was heißt das eigentlich: „Außer Rand und Band?“ Jeder hat schon einmal Aussagen von Menschen gehört, die – wie vom Blitz getroffen – aus Freude, aus Überraschung oder aus Betroffenheit ausrufen:

„Ich bin völlig aus dem Häuschen!“
„Ich bin fassungslos!“Man muss sich diese Worte einmal durch Geist und Seele gehen lassen: „Jetzt bin ich aus dem Häuschen!“ heißt doch: Ich bin aus dem Rahmen des Üblichen gefallen, habe meinen Halt verloren, mein Koordinatensystem stimmt nicht mehr… ist im wahrsten Sinne des Wortes „ver-rückt“. Alles, was mich bisher gehalten hat, meine Maßstäbe, Normen, mein gesunder Menschenverstand, meine Sichtweise der Welt, ist ver-rückt, zur Seite gerückt, nicht mehr an dem Platz, an dem es immer war.  

„Ich bin fassungslos!“ heißt so viel wie: Ich habe meine Fassung verloren, die Birne ist nicht mehr in der Verschraubung, sie hängt freischwebend im Raume, alles, was mir bisher Stabilität gab, ist weg. Der Boden unter den Füßen fehlt.  
Aus dem Häuschen sein, aus dem Rahmen fallen, aus der Reihe tanzen, völlig losgelöst sein… sind ausgesprochen nützliche Begriffe, für die ich der deutschen Sprache sehr dankbar bin. Da haben kluge Köpfe passende Worte für ein Lebensgefühl gefunden, aber: Dürfen wir „außer Rand und Band“ sein? Dürfen wir „aus dem Rahmen fallen“? Wir dürfen es nicht nur, wir sollten es!
Wer immer im selben Rahmen bleibt, verwickelt sich. Wer sich auf eine Sache versteift, versteift an Körper, Geist und Seele.  

Stell Dir das Leben vor wie einen Weg mit Leitplanken: Wer aus Angst, vom Weg ab zu kommen, immer in der Mitte bleibt, der kann sich selbst nicht erfahren.
Wer mit Scheuklappen durchs Leben geht, bleibt eng und starr und furchtsam. Er bleibt im wahrsten Sinne des Wortes „mittel-mäßig“.  

Die Mitte muss sich der Mensch erarbeiten. Dabei sollte er schon mal vom Weg abkommen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.  
Wer keine Angst vor den Grenzen, vor den Leitplanken, vor den bisherigen Rändern seines Lebens hat… wer schon mal (legal!) über Grenzen geht… wer Neuland betritt… der lebt intensiver. Nur wer Ungewohntes wagt, ent-wickelt sich.  

Wer neugierig auf die Polaritäten seines Lebens ist, sie erfährt und integriert, der kann in und aus seiner Mitte leben.
Der genießt und akzeptiert jeden Zentimeter seines Lebensweges. Zur einen und zur anderen Seite, im Rückspiegel und nach vorn. Der ist offen für Wandlungen. Auf dem Weg eines gelungenen und reichen Lebens.  

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp    


Aus: „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ – Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Auflage 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80€)

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Friede im Herzen

Drucken Verfasst am 17.01.2013

Stell Dir vor, Du bist draußen in der Natur. Es ist eine laue, warme Sommernacht. Über Dir strahlt ein sternenklarer Himmel. Du spürst den Zauber des Augenblicks. Du wandelst unter dem Sternenzelt und gelangst zum Ufer Deines Lebensflusses.

Hier und Jetzt, am Ufer Deines eigenen Lebensstromes siehst Du kleine, erleuchtete Boote, die auf sanften Wellen ganz langsam an Dir vorüberziehen.   Sie haben sich auf eine große Abenteuerfahrt begeben. Auf die besondere Fahrt zu Deinem Herzen – und durch Dein wunderbares, großes Herz hindurch.   Jedes Boot hat seine eigene Aufgabe. An Deck ist als Passagier jeweils ein ganz persönliches Gefühl von Dir. Du siehst Boote, die ein wunderschönes, tiefes Gefühl zu Deinem Herzen tragen. Aber ebenso entdeckst Du auf einigen Booten verborgene Seiten Deines Inneren, Deine Schattenseiten.

In einem Boot fahren alle Deine Ängste. Du siehst, wie sich dieses Boot auf Deinem Lebensfluss durch eine Enge zwängt. Und auch Dein Herz wird enger, sobald dieses Boot Dein Herz durchkreuzt. Aber ist es nicht so, dass Dein Herz um diese Ängste weiß?! Und schon spürst Du, wie sich Dein wissendes Herz wieder weitet.   In den nachfolgenden Booten fahren alle Deine Schattenseiten, Deine „Kellerkinder“: Deine große Traurigkeit, Deine Zweifel, Dein fehlendes Vertrauen, Deine quälenden Schuldgefühle, Deine tiefen Verletzungen und noch nicht verheilten Wunden, Deine eingegrabene Wut, Dein unüberwindbarer Groll… Immer wieder passieren sie die engen Schluchten in Deinem Herzen. Eines nach dem anderen.

Du schaust genau hin – und lässt all die Boote friedlich an Dir vorüberziehen. Viele Geschichten und Erfahrungen Deines Lebens ziehen an Dir vorbei. Alle Boote lässt Du in Frieden ziehen und bleibst im Vertrauen ganz nah bei Deinem wissenden Herz. Ja, Du nimmst all die Boote dankbar und in Liebe an als wesentliche Teile Deiner selbst. Alle Boote und alle Passagiere gehören zu Dir. Alles bist Du. Und Du weißt es jetzt, in diesem Moment und für alle Zeit.

Und wie Du Dein Herz in tiefer Dankbarkeit darin unterstützt, sich immer freier zu öffnen und zu weiten, siehst Du, wie ein hell erleuchtetes Boot mit Deiner Liebe zu Dir, zu Deinen Nächsten, Deinen Freunden und Deiner Familie an Dir vorüberzieht. Friedlich zieht es seine Kreise. Liebe und Vertrauen weiten Dein Herz und lassen es leicht werden.

Tief in Dir spürst Du das Licht und die Wärme Deines Herzens, wie es gerade eben Deine Seele berührt.   Dein Lebensstrom fließt friedlich und leicht durch Dein Herz. Und so kannst Du nun Deine Hände auf Deinen Herzraum legen – und dabei gleichmäßig tief aus- und einatmen… und aus… und ein…   Liebe durchströmt Dich durch und durch. Alles wird hell in Dir und um Dich herum.

Gelassen und mit Zuversicht in Deinem Herzen siehst Du, wie die Boote mit all Deinen erlösten Schattenseiten im Herzen vor Anker gehen. Es folgen alle Boote mit Deiner Zuversicht, Deiner großen Liebe und Deinem Vertrauen. Auch sie werfen Anker und legen am Ufer Deines Herzens an. Alles ist hell und weit in Dir. Du bist angekommen in Dir selbst.

Alle erlösten Gefühle und alle Gefühle, die Dich in Deinem Leben getragen haben und immer tragen werden, haben nun in Deinem Herzen einen weisen Platz gefunden. Nichts verengt das Herz – alles ist frei und weit und offen. Alles fließt – und innerer Friede kehrt ein in die Mitte und Tiefe Deines Herzens.   Lass all das geschehen, lass es so sein. Atme ruhig weiter in Dein lichterfülltes und lichtdurchflutetes Herz.

Stell Dir vor, Du stellst nun viele Lichter am Ufer Deines Lebensflusses auf. Du spürst eine tiefe Dankbarkeit in Dir für die reiche Erfahrung, die Du hast machen dürfen. Fülle Dein großes Herz mit all Deinem Licht, Deiner Liebe und Deiner Weisheit – und bringe es zum Leuchten.

Nun bleibe in dieser Dankbarkeit mitten in Deinem Herzen. Höre gut zu, was es Dir sagt und welche Botschaft es Dir für Deinen weiteren Lebensweg sendet. Bleibe mitten im Fluss Deines Lebens, frei, lebendig, demütig und dankbar – jetzt und für alle Zeit.

Spüre zum Abschluss tief in Dich hinein, ob Du jederzeit Deine Boote wieder in Deinem Herzen begrüßen kannst. 

Und dann komm langsam, auf Deine eigene Art und Weise, wieder in das Hier und Jetzt zurück.

Claudia Rupp
Diplom-Sozialpädagogin    

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Die Perle

Drucken Verfasst am 17.01.2013

Einst fragte ein Junge seinen Großvater, wie denn die Perlen entstehen, die so wunderschön in der Sonne glänzen.

Der Großvater antwortete, dass die Muscheln am Meeresboden liegen und sich ab und zu öffnen, um Nahrung aufzunehmen und die Schönheit des Lebens zu sehen. Wenn dabei ein kleines Sandkorn in das Muschelgehäuse gelangt, umhüllt die Muschel es Schicht für Schicht, da ihr Körper so weich und verletzlich ist, bis schließlich eine wunderschöne Perle entstanden ist.

So ergeht es auch uns Menschen, erzählt der Großvater weiter. Wenn wir uns aus Angst vor Schmerzen nicht für den Reichtum und die Schönheit des Lebens öffnen, bleibt unser Leben arm und leer. Doch jeder, der selbst Schmerzen erlitten hat, wird zu seinen Mitmenschen barmherziger und liebevoller sein.

Darum, mein Junge, öffne Dein Haus weit und vertraue Dich dem Leben an, und wenn der Schmerz in Dich dringt, nimm ihn an und verwandle ihn in eine Perle, die unvergänglich ist.

Es ist nicht wichtig, was Dein Schicksal ist, sondern wie Du es meisterst.

Verfasser unbekannt

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Coaching für ein gutes Leben

Drucken Verfasst am 17.01.2013

Christian (selbstständiger IT-Berater, 45 Jahre) kam zu mir ins Einzel-Coaching. Es klingt paradox, aber er hatte zu viel Erfolg. Seine neue Geschäftsidee, die er zwei Jahre zuvor umgesetzt hatte, schlug so gut ein, dass er in 24 Monaten bereits 15 Mitarbeiter einstellen musste. Das schmeichelte seinem Unternehmer-Ego, hatte ihn allerdings viel Kraft gekostet. Er fühlte sich zu diesem Zeitpunkt müde, schlapp und ausgebrannt. Nahe am Burn-out.

Als er vor mir saß, sagte er mir: „Ich verzettele mich. Ich kann die Prioritäten nicht festlegen. Das Management nach innen macht mir keinen Spaß, dieses Arbeits-Controlling. Ich sehe mich mehr als Außenminister. Pressearbeit, Vorträge halten und natürlich neue Kunden gewinnen – das alles macht Freude. Andererseits kann ich aber auch schlecht loslassen. Ich habe Angst vor Kontrollverlust. Ich bin keine 30 mehr. Ich merke zunehmend mein Alter. Ich kriege das nicht auf die Reihe. Ich mache fünf Dinge gleichzeitig. Nein sagen geht auch ganz schlecht. Wofür mache ich das?“

Ich spiegelte ihm, dass Menschen, die fünf Sachen gleichzeitig machen, völlig in Auflösung sind und sich keiner Sache mehr konzentriert hingeben können. Hingabe setzt die Zentrierung auf eine Mitte voraus. Ich muss nicht Mutter Teresa sein, um mich hingebungsvoll einer Tätigkeit widmen zu können. Auch die Selbstfürsorge und Selbstliebe spielen eine große Rolle. Wenn ich nicht sorgsam mit mir selbst umgehe, wie kann ich dann meine Liebe, mein Herzblut, meine schöpferische Kraft in mein Handeln fließen lassen?

Heute, drei Jahre nach diesem Coaching-Prozess, hat Christian in seiner Firma eine zweite Führungsebene eingebaut, gönnt sich mehr Freizeit, wirkt wesentlich vitaler und auch jünger.   „Ich habe gelernt“, sagt er, „dass Erfolg im Beruf oft nur eine einseitige Befriedigung gibt. Ich bin immer noch erfolgreich, aber in einem überschaubaren Rahmen. Meine Frau war richtig glücklich, als ich mich entschieden hatte, nicht zu expandieren. Mittlerweile arbeitet sie in meinem kleinen Unternehmen mit, wir sind uns nahe und haben noch viele Pläne für die Zukunft. Aber mit Augenmaß. Lieber etwas weglassen, als uns zu viel vorzunehmen.  Ich bin zwar immer noch ein Kopfmensch, das kann ich nicht leugnen. Aber ich treffe keine Entscheidungen mehr, ohne auch mein Herz zu befragen. Danke für die Wegbegleitung.“

Wer könnte den Inhalt eines Coachings zutreffender beschreiben als Johann Wolfgang von Goethe in seinem Briefwechsel mit Bettina von Arnim: „Finde Dich, sei Dir selber treu, lerne Dich verstehen, folge Deiner Stimme, nur so kannst Du das Höchste erreichen.“

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp

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Was ist Glück?

Drucken Verfasst am 17.01.2013

Wie sagt man doch so oft: „Kinder, wie die Zeit vergeht…“ – Vielleicht aber ist die Zeit auch nur eine Illusion. Wir schauen in den Spiegel, sehen Falten und schütteres Haar, aber das kleine, fröhliche Kind im Herzen spielt noch im Sandkasten oder turnt in der Hängematte. Was ist wirklich?

Wie oft wünschen wir uns Glück?! „Glück“ ist allerdings kein Dauerzustand, sondern macht eher bescheiden. Glück ist die kleine, stille Freude des Augenblicks. Der Tau früh morgens auf den Feldern. Das Lachen eines Kindes. Das Zwitschern eines Vogels. Die Geborgenheit zu Hause. Eine gut und warm gefüllte Badewanne. Ein Sonnenstrahl. Freunde. Ein belebendes Gespräch über Gott und die Welt. Ein Glas guten Weins. Himbeereis. Reisen. Ein Moment, für den wir dankbar sind. Der unsere Seelen weitet. Ein offener Horizont. Eine Perspektive. Ein gutes Buch. Zwei zärtliche Hände. Zwei gütige Augen. Fünf Sinne. Zeit.

Jung hält uns die anregende Neugierde auf all das, was heute kommen mag. Was auf Dich, mich, auf uns alle zukommt. Feiern wir die Kostbarkeit der Freundschaft. Feiern wir die kleinen Freuden des Augenblicks. 

In herzlicher Verbundenheit 
Georg Rupp 

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